„In ihren Augen“


ARG/E 2009

Regie und Buch: Juan Jose Campanella

Kamera: Felix Monti

Darsteller: Soledad Villami, Ricardo Darin, Carla Quevedo, Pablo Rago, Javier Godino

Vergangenheitsbewältigung in einem Politthriller und Liebesdrama verpackt – und das sehr gekonnt

Buenos Aires im Jahr 2000. Der pensionierte Kriminalbeamte Benjamin Esposito (Ricardo Darin) recherchiert für ein Buch über einen Kriminalfall aus der Mitte der siebziger Jahre. Damals wurde eine junge Lehrerin vergewaltigt und grausam umgebracht. Gemeinsam mit der Richterin Irene Hastings und seinem Kollegen Sandoval hat er ermittelt und den mutmaßlichen Täter festnehmen können. Der Ehemann des Opfers half ebenfalls, er ist derart traumatisiert von den schockierenden Ereignissen, daß er ebenfalls ständig auf der Suche nach dem Killer ist. Doch die heraufziehende Militärdiktatur und die damit verbundene Korruption haben eine Sühne verhindert. Solche Täter waren für die Militärs willkommene Werkzeuge für deren Mordpläne. Das alles läßt Benjamin keine Ruhe, aber er mußte in jener Zeit aufs Land fliehen, als sein Kollege von den Todesschwadronen der Junta ermordet wurde.

Jetzt rollt er alles noch einmal auf, um das abzuschließen, was ihn nie loslies – dazu gehört auch seine nie offen ausgesprochene Liebe zu Irene.

Tod, Sühne und Liebe sind also die Kräfte, die den vielschichtigen Film von Juan Jose Campanella vorantreiben. Er wechselt dabei zwischen den Zeit- und Erzählebenen hin und her und läßt sich Zeit. Der Zuschauer wird allmählich in den dadurch entstandenen Sog hineingezogen. Eine tief von Melancholie geprägte Geschichte, die berührt und am Ende zudem schockiert – dennoch nie ohne Hoffung ist. Entsprechend sind die Bilder in Cinemascope-Format stimmungsvoll ausgeleuchtet.

Campanella kann dem Zuschauer dadurch nahebringen, wo die Wunden sind, die schmerzenden Folgen einer Dikatur und wie sie erst langsam, ganz allmählich verheilen können. Ein sehr intensiver Film, der dafür den Auslandsoscar bekam und Hannekes „Weißes Band“ ausstechen konnte.

Eine Wahl, der man zustimmen kann.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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