„Somewhere“


USA 2010

Regie und Buch: Sofia Coppola

Darsteller: Stephen Dorff, Elle Fanning, Michelle Moneghan

Hollywood-Star möchte seinem eintönigem Luxusleben entfliehen, als er väterliche Gefühle für seine Tochter entdeckt

Gleich die erste Einstellung zeigt, um was es in diesem Film eigentlich geht: Da dreht ein schwarzer Ferrari endlose Runden in der kalifornischen Wüste – einfach so. Fahrer ist der Hollywood-Star Johnny Marco (Stephen Dorff). Die Ödnis der Wüste und darin ein Mensch alleine in seinem Superautomobil: Luxus und Langeweile = Irgendwo.

Johnny wohnt im Prominenten-Hotel Chateau Marmont am Sunset Boulevard in Los Angeles (Greta Garbo und Marilyn Monroe wohnten auch dort), feiert eine Party nach der anderen, inclusive Alkohol, Drogen und Sex. Ihn ödet das sichtlich an, so kann es schon mal passieren, daß er bei einer privaten Pole-Dance-Vorstellung zweier Models einschläft.

Aus dieser hohlen Dauerbefindlichkeit wird er eigentlich nur herausgerissen, wenn seine Agentin ihm per Telefon die nächsten PR- und Pressetermine mitteilt. Und selbst die sind oft nicht gerade erbaulich. Wenn er mit einer Kollegin zum PR-Fototermin erscheinen muß, beide Keep Smiling präsentieren, sich in Wirklichkeit gar nicht austehen können und Johnny auch noch auf einen Schemel steigen muß,  um den Größenunterschied zu kaschieren.

Dieser seltsame Zustand wird nur aufgebrochen, wenn seine 11jährige Tochter Cleo (Elle Faning) ihn besucht. Sie lebt bei der geschiedenen Frau des Schauspielers und bringt etwas Substanz ihn sein Leben – auch wenn es profane Dinge sind, die die beiden unternehmen, etwa frühstücken oder kochen, am Swimmingpool liegen oder über Johnnys Liebesleben reden.

Eines Tages beschließt seine Ex, das aufgeweckte Mädchen für längere Zeit bei ihm abzugeben, da sie für sich eine sogenannte Auszeit eingeplant hat. Johnny kommt verstärkt ins Grübeln, er spürt, daß er etwas tun muß – in erster Linie wohl erwachsen werden.

Als er Cleo beim Sommercamp abgeliefert hat, läßt er seinen Ferrari einfach an der Wüstenstraße stehen, den Schlüssel stecken und geht davon.

Das alles hat Sofia Coppola ruhig und völlig undramatisch gedreht. Lakonie beherrscht den Film, das Ganze wird von leichter Melancholie und leisem Humor getragen, passend untermalt von der Musik der französischen Band Phoenix. Dem Zuschauer bleibt, sofern er sich auf die langen Einstellungen einlassen kann, viel Raum für eigene Reflexionen. Selbstentfremdung und Einsamkeit sind bekanntlich äußerst aktuelle Themen.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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