„Ein Mann von Welt“


Norwegen 2010

Regie: Hans Peter Moland

Buch: Kim Fupz Aakeson

Darsteller: Stellan Skarsgard, Björn Sundquist, Gard Eidsvald, Jorunn Kjellsby

Skurrile Tragikomödie aus Norwegen über einen Ex-Häftling, der so gerne wieder mal festen Boden unter den Füßen hätte

Einen nachhaltigen Eindruck aus Hans Peter Molands Film nimmt der Zuschauer mit: Das Gesicht von Stellan Skarsgard: Langgezogen, ernst, gleichgültig, fast ohne Regung und wenn, dann schimmert Unsicherheit, Angst – aber nicht ohne Hoffnung durch. Seine Haare sind zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

Skarsgard, einer der größten Stars Schwedens, spielt den Haftentlassenen Urlik, der wegen Mordes verurteilt wurde. Er landet in einem schmuddeligen Randgebiet Oslos, wo ihn sein früherer Boss Rune Jensen im Kellerloch von dessen Schwester Karen   unterbringt. Die alte und häßliche Frau versorgt ihn mit Essen, er soll sie dafür sexuell befriedigen – was er pflichtgemäß auch tut. Das ist aber noch nicht alles. Er soll den Mann, der ihn damals verraten hat, umbringen. Bis dahin ist sein Arbeitsplatz  – von Jensen organisiert – eine trostlose Autoreparaturwerkstatt mit einem redseligen, nervigen Chef und einer ebenfalls sexhungrigen Sekretärin. Sex gibt`s aber erst, nachdem er ihrem brutalen Ex-Mann die Arme gebrochen hat. Im übrigen will Urliks Sohn mitsamt Schwiegertochter nichts von ihm wissen. Urlik sehnt sich trotz allem nach einem würdigen, ehrlichen und selbstbestimmten Leben. Er will seinen Stolz zurück. Da läßt er sich nicht beirren.

So der Plot. Und da es sich um einen norwegischen Film handelt, muß Lakonie vorherrschen, müssen alle Figuren möglichst skurril und die Handlung möglichst originell montiert sein. So die allgemeine Erwartungshaltung. Man kennt das ja schon. Es ist auch hier der Fall und durchaus amüsant, nur wirkt manches bemüht und gedehnt. Die genannten Kriterien müssen eben erfüllt sein.

Dennoch ist der Film bis in die Nebenrollen bestens besetzt und Stellan Starsgard gibt seiner Figur alle Nuancen der Entwicklung eines Mannes, der eigentlich keine Chance hat, sie aber nutzt und sich am Ende wieder im Spiegel anschauen kann. Das ist großes Kino.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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