„Das Labyrinth der Wörter“


Frankreich 2010

Regie: Jean Becker

Buch: Jean Becker, Jean Loup Dabadie nach dem Roman von Marie-Sabine Roger

Kamera: Arthur Cloquet

Darsteller: Gerard Depardieu, Gisele Casadesus, Claire Maurier, Sophie Guillemin

Liebenswerter Analphabet entdeckt die Literatur. Ein Märchen über eine ungleiche Freundschaft und deren Auswirkung.

Es gibt Märchen, die wirken arg kitschig und es gibt Märchen, die – ohne Pathos – einen dazu bringen, es möglichst nicht für ein Märchen halten zu wollen. Die Figuren wirken so natürlich, liebenswert, die Dialoge sind präzise und am Schluß wird es einem warm ums Herz, und das ist in Ordnung so.

Zu dieser Art Märchen zählt „Labyrinth der Wörter“ von Jean Becker, der für kleine, erwärmende Geschichten, vornehmlich im Süden Frankreichs spielend, bekannt ist („Dialog mit meinem Gärtner“, „Ein Sommer auf dem Lande“).

Von den beiden umwerfenden Hauptdarstellern lebt der Film: Gerard Depardieu und die 95-jährige Giselle Casadesus. Depardieu`s Germain ist ein massiger, etwas tumber, aber liebenswerter Analphabet und Hilfsarbeiter, der gerne in seiner Freizeit Tauben auf dem Dorfplatz füttert und für alle einen Namen hat. Eines Tages begegnet er dort einer charmanten, kultivierten, alten Dame, die in ein Buch vertieft ist. Margueritte, eine pensionierte Akademikerin, liebt Literatur. Die beiden freunden sich allmählich an und sie liest Germain immer etwas vor, zum Beispiel aus Albert Camus‘ „Die Pest“. Allmählich erwacht in Germain etwas, worüber seine Kumpels nur noch staunen. Sein Wortschatz wächst und sein Interesse für Bücher auch. Als Margueritte’s Sehkraft immer schwächer wird, beschließt Germain, lesen zu lernen.

Ein Außenseiter findet zu sich selbst

Der Film schildert, wie ein Fünfzigjähriger, der bisher immer nur belächelt und getreten wurde, ein Außenseiter, allmählich über sich hinauswächst und zu sich selbst findet. Ein subtiler, humorvoller und sehr menschlicher Film. Ein Film über die Kraft der Literatur, Freundschaft und die Würde des Alters.

Angesichts unserer handyverseuchten Gegenwart eine Wohltat.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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