On The Road – Unterwegs


Plakat – On The Road – Concorde Film

Ob der amerikanische Kultroman „On The Road“ von Jack Kerouac verfilmbar ist oder nicht, blieb lange umstritten. Der brasilianische Regiseur Walter Salles hat sich an den Stoff gewagt und es ist ihm ein sehenswerter Film gelungen. Film ist eben ein Medium mit vielfältigen Möglichkeiten, von daher kam ihm das Genre Road-Movie sehr entgegen. Und der Score, und vor allem die hervorragenden Darsteller. Damit kann Salles einem heutigen Publikum etwas von Aufbruchstimmung, Lebenslust und Sehnsüchten der sogenannten Beatniks vermitteln. Diese erste literarische Subkultur entstand in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre. Der Roman wurde 1957 veröffentlicht, wirkte noch auf die Hippie-Bewegung der 60er Jahre und beinflußte sogar die spätere Pop-Kultur.

OT: On The Road

USA/Brasilien/Frankreich/Großbritannien 2012

Regie: Walter Salles

Buch: Jose Rivera, nach dem gleichnamigen Roman von Jack Kerouac

Darsteller: Garrett Hedlund, Sam Riley, Kristen Stewart, Amy Adams, Tom Sturridge, Kirsten Dunst, Viggo Mortensen

Länge: 137 Minuten

Verleih: Concorde

Kinostart: 4. Oktober 2012

Die Orte wechseln ständig, mal Ostküste, New York, New Jersey, Virginia, mal Denver, Colorado, zwischendurch Nebraska, dann die Westküste, San Francisco, schließlich New Orleans, Louisiana. Pulsierendes Leben oder Weitläufigkeit und Natur. Eisenbahnen, Autos, endlose Straßen. Rastlos geht es quer durch die Vereinigten Staaten. Protagonisten sind Sal Paradise (Sam Riley), das Alter Ego von Jack Kerouac, Carlo Marx (Tom Sturridge) – in Wirklichkeit Allen Ginsberg – ebenfalls ein wichtiger Autor, schließlich Dean Moriarty (Garrett Hedlund) – Neal Cassady. Dean alias Neal reißt Sal/Jack aus dessen Lethargie mit seiner unbändigen Lebensgier, seinem Draufgängertum. Beide reisen ständig neuen Abenteuern entgegen – Frauen, Drogen, Tanzen und Sex. Antrieb war der Jazz der Zeit, heißer Bebop, etwa von Charlie Parker. Dieser Musikstil verheißt Freiheit, die endlosen Straßen ebenfalls. Da ist es den jungen Leuten egal, ob sie in billigen Absteigen landen oder nicht. Existentielle Erfahrungen sind ihnen wichtiger, die sie später literarisch verarbeiten. Eine weitere Ikone der Beat Generation, William S. Burroughs, taucht als abgedrehter Old Bull Lee (Viggo Mortensen) auf. Den damaligen Drogenpapst und Autor besuchen die Freunde in Louisiana, wo er im Grünen ein großes Holzhaus besitzt.

Schließlich stehen wichtige Frauenfiguren im Focus: Marylou alias LuAnne Henderson (Kristen Stewart), die schon mit 15 Jahren Neal Cassady geheiratet hat. Die Scheidung kommt schnell – und noch eine lange Zeit als Geliebte Neals. Camille alias Carolyn Cassady (Kirsten Dunst) hat gemeinsame Kinder mit Neal, der aber regelmäßig andere, junge Frauen. Jane alias Joan Vollmer (Amy Adams), Mitbegründerin des New Yorker Beat-Zirkels, ist schließlich William Burroughs‘ Lebensgefährtin geworden. Terry alias Bea Franco (Alice Braga) hat mit Sal eine kurze Affäre in den Baumwollfeldern Kaliforniens – Sal hat häufig unterwegs Jobs angenommen, und Terry vergeblich gehofft, zu Sal nach New York ziehen zu können.

In Walter Salles‘ Adaption wechselt, ähnlich wie im Roman, der Rhythmus ständig. Rasante, wuchtige Szenen schlagen in besinnliche, ruhige Sequenzen um. So geht es hin und her. Die unterschiedlichen Stimmungen halten den Zuschauer dran am Geschehen, der Film läuft ja über zwei Stunden. Und der Jazz-Score tut sein übriges, um eine gewisse fiebrige Atmosphäre aufrecht zu halten. Bilder und Musik können viel Lebensgefühl vermitteln. Das Road-Movie bietet sich dafür als passendes Genre förmlich an. Nicht zu vergessen – der Hudson. Das legendäre Auto dieser Zeit fungiert als Ort vieler Schlüsselmomente des Films: Begegnungen, Streitereien und Begierden. Die hervorragenden Darsteller tragen ihren Teil dazu bei. In Anbetracht der Tatsache, daß sie diese Zeit gar nicht kennen, agieren sie recht glaubhaft. Der Stoff von „On The Road“ bleibt jedenfalls zeitlos. Solange Menschen neugierig sind, wollen sie fühlen, erfahren und genießen – einfach lebendig bleiben.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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