Frances Ha


Frances Ha - Plakat - Copyright Verleih MfaMit „Frances Ha“ hat die amerikanische Indepentent-Filmszene wieder mal ein kleines Juwel geschaffen. In geschmackvollem Schwarz-Weiß gedreht, verdreht uns Hauptdarstellerin Greta Gerwig die Sinne mit ihrem sympathischen, unkonventionellen Auftritt. Das Loblied auf die Nichtperfektion und damit tiefe Menschlichkeit hat ihr Lebenspartner Noah Baumbach inszeniert. Greta und er haben auch das Buch verfaßt. Schauplatz ist New York, dort wo anscheinend Stadtneurotiker ihre angestammte Heimat haben. Der Geist Woody Allens läßt grüßen.

USA 2012

Regie: Noah Baumbach

Buch: Greta Gerwig, Noah Baumbach

Darsteller: Greta Gerwig, Grace Gummer, Mickey Sumner, Michael Esper, Adam Driver, Michael Zegen

Länge: 86 Minuten

Verleih: Mfa  

Die schönsten Szenen in dem Film sind die, in denen Frances (Greta Gerwig) durch die Straßen New Yorks tanzt, lacht, ihren Emotionen freien Lauf läßt. Die Endzwanzigerin träumt immer noch von einer großen Karriere als Tänzerin. Zur Zeit muß sie sich mit Aushilfsjobs bei einer kleinen Bühne durchschlagen, kann sich keine eigene Wohnung leisten. Dafür sind die Mieten einfach zu hoch. Bisher hat sie bei ihrer besten Freundin gewohnt. Die will aber ausziehen und ins Ausland gehen. Prekäre Lebensverhältnisse, die Frances nicht erschüttern können. Ihre Naivität, sprich Weigerung, richtig erwachsen zu werden, verbunden mit einem Stück Selbstironie, Natürlichkeit und Optimismus, macht sie sympathisch. Dies und vor allem ihr Charme läßt zu, daß sich die Handlung nur um diese ungewöhnliche junge Frau zu drehen braucht. Und das in edlen Schwarz-Weiß-Bildern.

„Frances Ha“ ist also keine Vertreterin des Mainstreams, sondern meist ein bißchen neben der Spur und offen für neue Lebensformen. Vor Peinlichkeiten rennt sie auch nicht weg. Demzufolge geht es turbulent zu in dieser schrägen Komödie. Auf der Suche nach dem, was für sie in New York ein fester Platz und ein wenig Zukunftsperspektive bedeutet. Eine Herumtreiberin, die auf ihrem Weg allerlei versnobten und eitlen Schnöseln – mit festem Einkommen – begegnet, sich davon aber nicht beeindrucken läßt, da es für sie wenigstens noch Utopien gibt. Frances‘ Weg führt zwangsläufig auch zu realistischen Einsichten, aber dafür wird sie wenigstens am Ende ein eigenes Apartment beziehen können. Ihren Familiennamen Halladay kann sie auf dem Namensschildchen für den Briefkasten nicht ganz unterbringen. Also wird es entsprechend gekürzt – und Ha bleibt noch übrig.

Regisseur und Autor Noah Baumbach, dem durch den Film „Greenberg“ eher das Etikett Pessimist und Misanthrop anhängt, hat das  Drehbuch zusammen mit seiner Lebensgefährtin Greta Gerwig geschrieben. Die Mischung aus Komik, Melancholie, Chaos und berückendem Charme verbunden mit Stilmitteln der Nouvelle Vague und dem Geist Woody Allens ist gelungen. Eine Hymne an die Unvollkommenheit und an das kleine Glück, das immer um die Ecke gucken kann. So etwas kann nur gut tun, wo doch heutzutage alles nach Selbstoptimierung und Perfektion strebt bis hin zum Kino, mit den jetzt zur Verfügung stehenden digitalen Möglichkeiten. Welch ein subversives Gegenstück ist da dieses kleine Kino-Juwel.

Heinz-Jürgen Rippert

Copyright für das Plakatmotiv; Mfa.

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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