Ida


Polen – Anfang der 1960er Jahre. Eine junge Novizin forscht auf einer 

Ida - Copyright Arsenal Filmverleih

Ida – Copyright Arsenal Filmverleih

Autoreise nach ihren verschollenen Eltern. Am Steuer ihre Tante, die sie vorher noch nie gesehen hat. Es ist ihre einzige lebende Verwandte. Es wird eine Reise in die Vergangenheit. Der Film ist in stilvollem Schwarzweiß  und einem klassischen Bildformat gedreht. Ästhetisch ein Genuß

Polen/Dänemark 2013

Regie: Pawel Pawlikowski

Buch: Pawel Pawlikowski, Rebecca Lenkiewicz

Darsteller: Agata Trzebuchowska, Agata Kulesza, Joanna Kulig, David Ogrodnik

Länge: 80 Minuten

Verleih: Arsenal Filmverleih

Kinostart: 17. April 2014

Anna, 18 Jahre (Agata Trzebuchowska) lebt in einem abgelegenen Kloster, arbeitet als Restauratorin und steht kurz vor ihrem Gelübde. Ihre Äbtissin bittet sie, vorher nach ihren Eltern zu forschen. Die ihr bisher unbekannte Schwester ihrer Mutter aufzusuchen, um  mit dem Auto reisen zu können. 

Damit beginnt eine Art Roadmovie durch das Nachkriegs-Polen der 1960er Jahre und damit in die Vergangenheit. Der in England lebende, polnisch-stämmige Regisseur Pawel Pawlikowski hat als Stilmittel Schwarz-Weiß bevorzugt und das klassische Film-Format, das heute an Stummfilme erinnert. Das damalige karge Leben in dem vom Krieg bebeutelten, und danach vom Stalinismus drangsalierten Land kommt in den streng komponierten und präzisen Bildern wirkungsvoll zum Ausdruck.

Anna erfährt von ihrer Tante  Wanda (Agata Kulesza), daß sie eigentlich Ida heißt und Jüdin ist. Und Wanda selbst ist Richterin gewesen und hat als „Rote Wanda“ in den stalinistischen Schauprozessen mitgewirkt. Diese historisch-familiären Gegebenheiten bilden die düsteren Begleittöne im allgemeinen Stimmungsbild. Ländliche Impressionen mit Menschen, die sich noch nicht erholen konnten von der Vergangenheit. Die beiden ungleichen Frauen können nicht mehr umkehren. Wanda beginnt sich allmählich zu öffnen und erzählt ihrer Nichte von ihrem eigenen Sohn, der in den Wäldern versteckt, von Polen ermordet wurde. Idas Eltern ist das gleiche Schicksal  nicht erspart geblieben. Zu den sterblichen Überresten hat sie der mutmaßliche Mörder sogar selbst geführt.

Die Frage von Schuld stellt sich, und wie diese Schuld verteilt ist. Viele sind in diesen fürchterlichen Strudel mitgerissen worden. Nazis, Stalinisten und Katholiken, Männer und Frauen. Wanda zieht persönliche Konsequenzen daraus. Alkohol und wahllose Affären sind auf Dauer kein Allheilmittel dagegen gewesen.

Aber da ist noch die Musik in diesem wahrhaftigen Film. Klassik und Jazz durchflirrt das Geschehen. Insbesondere der spirituell angehauchte Saxophon-Sound von John Coltrane vermittelt Trost und eine schmale Brücke zu Veränderungen und Zukunft.

Heinz-Jürgen Rippert

 

 

Advertisements

Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s