Beziehungsweise New York


 

Beziehungsweise New York - Copyright Studiocanal

Beziehungsweise New York – Copyright Studiocanal

Irgendwie ist es immer schön zu schauen, wie es alten Bekannten jetzt so geht. Bekannte wie die Bewohner der Studenten-WG in Barcelona aus „L’Auberge Espagnole“ 2002, die drei Jahre später in „L’Auberge Espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg“ erneut aufeinander getroffen sind. Und heute – 2014: Sind sie in New York anzutreffen. Und es ist doch angenehm zu wissen, daß Zuschauer und die sympathischen Protagonisten im Film gemeinsam altern: mit Romain Duris, Cécile de France, Kelly Reilly und Audrey Tautou.

OT: Casse-tête chinois

Frankreich 2013

Buch + Regie: Cédric Klapisch

Darsteller: Romain Duris, Cécile de France, Kelly Reilly, Audrey Tautou, Sandrine Holt, Benoît Jacquot

Länge: 117 Minuten

Verleih: Studiocanal

Kinostart: 1. Mai 2014

Ähnlich Richard Linklaters Konzept („Before … Sunset“, usw.), interessiert Cédric Klapisch, wie sich Figuren seiner Filme über einen längeren Zeitraum entwickeln, beziehungsweise entwickeln könnten. So entstand seine fiktive, leichtfüßige Versuchsanordnung der Studenten-WG in Barcelona um Xavier (Romain Duris), Isabelle (Cécile de France), Wendy (Kelly Reilly) und Martine (Audrey Tautou). Damals herrschte emotionales Chaos unter den Erasmus-Studenten und die Unsicherheit, wie sie ihr Leben planen und finanzieren sollten.

Dann beim Wiedersehen in St. Petersburg kamen sich Xavier und Wendy näher und beschlossen zu heiraten. Heute haben sie zwei Kinder …

… aber mit Xavier will sie nicht mehr zusammenleben. Sie hat einen vermögenden Amerikaner kennengelernt und ist zu ihm nach New York gezogen. Damit beginnt der dritte Film von Klapisch „Beziehungsweise New York“. Ihr Ex ist verständlicherweise am Boden zerstört. Sein Innenleben hat sich in den letzten Jahren nie ganz stabilisiert und beruflich hat der knapp Vierzigjährige sich auch noch nicht etablieren können. Sein Pariser Verleger wartet auf den großen Roman, während tägliche Kosten aus Einnahmen als TV-Autor und ähnlichem beglichen werden. Das Chaos beherrscht immer noch sein Leben. Einen festen Platz um erwachsen zu werden, gibt es vielleicht woanders.

Xavier beschließt, ebenfalls nach New York zu ziehen um wenigstens in der Nähe seiner Kinder zu sein und trifft auf weitere ehemalige Bezugspersonen seiner Vergangenheit. Isabelle (Cécile de France) lebt in einer lesbischen Partnerschaft mit Ju (Sandrine Holt). Xavier hat als Samenspender dem Paar für Nachwuchs gesorgt. Immerhin kann er da die erste Zeit wohnen. Die alte WG ist nun kosmopolitisch geworden. Und Romane kann man auch in New York schreiben.

Das Leben in Big Apple ist dennoch nicht einfacher. Bürokratische Hindernisse türmen sich vor Xavier auf: Teure Wohnungen, Jobs, geldgierige Anwälte und die Frage, ob eine (fingierte) Heirat das Procedere nicht doch vereinfacht? Die Einwanderungsbehörde lauert schließlich im Hintergrund. Und zu guter Letzt taucht dann noch Xaviers frühere große Liebe Martine (Audrey Tautou) auf. Alles ist kompliziert – wenn Gefühle hin- und herschwanken oder neu aufbrechen.

Chaos überall. Wie gehabt. Die quirlige Stadt am Hudson liefert vielleicht Antworten. Übrigens tauchen dem Geplagten hie und da die Philosophen Schopenhauer und Hegel auf. Man sieht, der Geist ist immer kosmopolitisch und durchaus hilfreich. Klapisch hat eine interessante Bildsprache für die Szenerien gefunden. Viel Bewegung, Close-ups, viele Menschen, Verkehr, alles, was das tägliche Einerlei der Leute auf ihrer Suche ausmacht, in einer Metropole, die sich selbst ständig neu zu erfinden sucht. Ein mitreißender Kamerastil

Und wir schauen den sympathischen, chaotischen Figuren wieder einmal gerne zu, stellen fest, daß das mit der Leichtigkeit bei zunehmenden Alter auch nicht mehr so toll ist. Stellen getröstet fest, daß es uns meist ebenso geht – das mit dem Erwachsenwerden – und wir froh wären, wenn wir in ein paar Jahren wieder mal gucken könnten – nach Xavier, Martine, Wendy, Isabelle und all den anderen. Schön wär’s. Es macht einfach Spaß.

Heinz-Jürgen Rippert

 

 

 

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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