Grace of Monaco


 

Plakat - Universum Film

Plakat – Universum Film

Ach, wie ist das schön. Azurblaues Mittelmeer, eine junge, schöne, blonde Frau in einem Sportwagen, der die Kurven hart an der Kante sicher bewältigt. Wir wissen, Nicole Kidman stürzt nicht die Felsen hinab. Grace Kelly alias Fürstin Gacia Patricia von Monaco hatte ja bekanntlich eine andere, weniger angenehme Bestimmung. Dabei wollte sie wieder einen Film mit Hitchcock drehen, Fürst Rainier wollte nicht. Und Nicole Kidman, eine kühle, blonde Schönheit spielt eine andere blonde Schönheit – nicht mit Understatement, es soll eine Botox-Behandlung gewesen sein, die ihre Mimik einschränkte. Jedenfalls hat sich die monegassische Fürstenfamilie geweigert, den Eröffnungsfilm “Grace of Monaco“ in Cannes anzuschauen.

OT: Grace of Monaco

Frankreich/Belgien/Italien/USA 2014

Regie: Olivier Dahan

Buch: Arash Amel

Darsteller: Nicole Kidman, Tim Roth, Frank Langella, Paz Vega, Parker Posey

Länge: 102 Minuten

Verleih: SquareOne Entertainment/Universum Film

Kinostart: 15. Mai 2014

Im Vorwege des Filmfestivals von Cannes schlugen die Wellen auch ohne die Fürstenfamilie hoch, wurde den Machern – Regisseur Olivier Dahan und Autor Arash Amel – doch vorgeworfen, daß sie vieles dazu gedichtet und Tatsachen falsch dargestellt hätten. Der amerikanische Produzent Harvey Weinstein wollte eine ganz andere Fassung, und Dahan kein Biopic wie „La vie en rose“. Vielmehr hat er in seinem Hochglanzwerk den Zeitraum 1962 beleuchtet, fünf Jahre nach der Hochzeit – ohne konsequent auf historische Genauigkeiten zu achten. Ihm ging es um ein Gesellschaftsporträt mit der schönen Blondine als lebendem Denkmal.

Dahan zeigt das von höfischer Etikette geprägte und erstarrte Alltagsleben im fünften Ehejahr der Fürstin Gracia Patricia – wie Grace Kelly nun heißt – und Fürst Rainier III von Monaco (Tim Roth).

Er liefert schöne, ins gelbe und goldene Licht getauchte Bilder, Eleganz, stilgerechte Ausstattung und erstarrte, maskenartige Gesichter. Das ist das Hauptproblem des Films. Das Leben, daß den Figuren eingehaucht werden sollte, ist von den Protagonisten zu starr und maskenhaft in Szene gesetzt worden. Zu entrückt ist das alles.

Den dramatischen Akzent setzt Olivier Dahan in die Frage, ob Grace auf das Angebot von Alfred Hitchcock eingehen soll, der ihr die Hauptrolle in „Marnie“ anbietet. Die Flucht in den Traumort Hollywood wäre eine Option für sie. Ein anderer Kontrapunkt ist die politische Lage Monacos. Charles de Gaulle will nicht länger hinnnehmen, daß französische Firmen ihre Sitze in das Fürstentum verlagern, um die Vorteile der Steuerfreiheit zu genießen. Gendamerie riegelt schon die Zufahrtsstraßen mit Stacheldraht ab. Säbelrasseln setzt ein. Jetzt fordert Rainier III staatstragendes Verhalten von Grace. Also doch nur Aushängeschild oder weiter Filmkarriere als Ausgestoßene?

Grace entscheidet sich unter Tränen für ihre gesellschaftliche Rolle, sagt Hitchcock ab und hält eine bemerkenswerte Rede auf dem Rote-Kreuz-Ball in Monaco, daß selbst Charles de Gaulle ebenfalls die Tränen kommen. Das Problem: Die Fürstin hat diese Rede nie gehalten und de Gaulle war gar nicht anwesend. Schön wäre das schon gewesen. Was soll’s. Es gibt Schlimmeres auf dieser Welt – und Besseres im Kino.

Heinz-Jürgen Rippert

 

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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