Das Magische Haus


Studiocanal

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Daß europäische Animationsfilme ihrer amerikanischen Konkurrenz mittlerweile das Wasser reichen können, ist längst kein Geheimnis mehr. Wenn dann auch noch aktuelle Kapitalismus-Kritik, wie an der Gentrifizierung, spielerisch und anarchisch eingebaut wird, steht einem erfrischenden und verrückten Kino-Vergnügen mit dem Neuling des Belgiers Ben Stassen nichts mehr im Wege. Das gilt für kleine und große Kinder. Den losgelassenen Tieren, Figuren und lebendig gewordenden Spielsachen ist es eine Freude zuzuschauen – da wird sogar die 3D-Technik sinnvoll, die visuelle Kraft und Dynamik um so stärker.

OT: The House Of Magic

Belgien 2013

Regie: Ben Stassen, Jérémie Degruson

Buch: Ben Stassen, Domonic Paris, James Flynn

Deutsche Stimmen: Matthias Schweighöfer, Dieter Hallervorden, Karoline Herfurth, Alec „Boss“ Völkel, Sascha „Hoss“ Vollmer

Länge: 85 Minuten

Verleih: Studiocanal

Kinostart: 22. Mai 2014

Thunder ist ein kleiner ausgesetzter Kater, der in einer alten, düsteren Villa Unterschlupf findet. Das Haus gehört einem alten Herrn, der tagsüber kranke Kinder mit seinen Zauberkunststücken unterhält. Lawrence heißt er und ist ein hilfsbereiter, äußerst gutmütiger Mensch. Zwei seiner Mitbewohner, der Hase Jack und die weiße Maus Maggie sind – vorerst – weniger gastfreundlich. Sie möchten Thunder am liebsten gleich wieder loswerden. Dabei ist das Haus Heimat allerlei verzauberter Tiere und Spielsachen. Die Welt des Zauberers Lawrence und seiner Geschöpfe gleicht einem Reich der Phantasie mit ständig neu auftauchenden Überraschungen.

Dazu gehören Meg, ein weiblicher Filmprojektor, Twiggy, Twigga, Twiggoo – Propeller-Spielfiguren, die in der Küche helfen und Chef zur Hand gehen, einem Meister im Pfannkuchenmachen, Stomp (die älteren Zuschauer kennen es) ist ein Kaugummiautomat, mit knallbunten Kugeln, Brika ist ein kleiner Musikautomat mit einem bebrillten Affen, Grammy ein Grammophon mit Füßen und gutem Musikgeschmack, Clara eine kleine Blech-Primaballerina und Edison, eine Glühbirnenfigur, bei der die Leuchtdrähte sich je nach Gemütslage nach oben oder unten drehen. Ach ja, da sind noch Klärle und Karle, zwei schwäbelnde weiße Turteltauben.

Diesem zauberhaften Idyll droht Unheil, als Lawrence nach einem Fahrradunfall ins Krankenhaus kommt, und Daniel, der Neffe des Zauberers seine Chance kommen sieht. Er will sich nämlich das Haus unter den Nagel reißen und holt sich unter Vorwänden Lawrence‘ Unterschrift für die Verkaufs-Vollmacht. Daniel ist die Karikatur eines Immobilien-Maklers mit seinem hochstehendem, gegeltem Haar und das Feindbild der bunten Bewohner schlechthin.

Was nun einsetzt beim Torpedieren von Daniels Verkaufsbemühungen, ist ein visuelles Feuerwerk, das durch die 3-D-Technik um so wirkungsvoller erscheint. Kaufinteressenten sind allesamt schräge Karikaturen von Neureichen und Yuppies, die heutzutage die Städte stürmen und alteingesessene Bewohner vertreiben. So verbinden die Filmemacher um Ben Stassen das Prinzip der Solidarität mit einem furiosen Action-Animationsabenteuer. Jeder der verwunschenen Hausinsassen bringt sich und seine Stärken ein. Was da so alles auf einen zusaust, läßt Geisterbahnfahrten vergessen. Das macht Spaß, und trotzdem kann jeder Zuschauer noch etwas mit nach Hause nehmen.

Heinz-Jürgen Rippert

 

 

 

 

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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