One Chance – Einmal im Leben


Concorde Filmverleih

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Die Briten können wunderbar soziale, gesellschaftliche und individuelle Situationen und Befindlichkeiten miteinander verbinden und daraus sehenswerte (tragi)komische Milieu-Filme machen. Neuestes Beispiel: „One Chance – Einmal im Leben“, einem modernen, wahren Märchen von einem schüchternen Jungen, der sich nicht davon abbringen ließ, seinen Traum von der großen Oper doch noch zu verwirklichen. Paul Potts ist heute weltbekannt.

OT: One Chance

Großbritannien/USA 2013

Regie: David Frankel

Buch: Justin Zackham

Darsteller: James Corden, Alexandra Roach, Julie Walters, Colm Meaney, Mackenzie Crook, Jemima Rooper, Valeria Bilello

Länge: 103 Minuten

Verleih: Concorde Filmverleih

Kinostart: 22. Mai 2014

Paul Potts (James Corden) wächst unter ganz bescheidenen Umständen in einer walisischen Industriestadt auf. Der pummelige und schüchterne Junge muß in der Schule und auf der Straße einiges einstecken, wird verprügelt und hin- und hergeschubst. Sein einziger Halt ist die klassische Musik, speziell Opernarien. Schon früh singt er im Chor und übt zu Hause, sehr zum Mißfallen seines Vaters (Colm Meaney), der ihn viel lieber in seinen Fußstapfen als Stahlarbeiter sehen würde. Bei seiner Mutter (Julie Walters) findet er mehr Verständnis.

Nach der Schulzeit arbeitet Paul als Handyverkäufer und hat glücklicherweise in Braddon einen hilfsbereiten Chef (Mackenzie Crook), der ihm den Rücken freihält und in der Liebe eine Brücke zu einer netten Frau via Internet-Anzeige baut. Wir können damit wieder einem Feel-Good-Movie made in Britain zuschauen (ähnlich „Billy Elliot – I Will Dance“), sehen, wie sich Paul und die sympathische, warmherzige Julie-Ann (Alexandra Roach) verlieben, die ihm den Mut vermittelt, an einem Opern-Seminar in Venedig teilzunehmen.

Daß er das Auswahlsingen vor Luciano Pavarotti (himself) vermasselt, gibt der Geschichte wieder etwas Dramatik, ebenso wie der mißglückte Annäherungsversuch einer Mitschülerin. Denn er ist ziemlich seelisch angeknackst und wagt noch nicht einmal, sich bei Julie-Ann wieder zu melden.

Es dauert noch eine Weile, mit weiteren Tiefpunkten und vielen Emotionen, bis sich alles wieder einrenkt (inklusive Hochzeit) und ein neuer Anlauf folgt, mit dem Auftritt bei „Britain’s Got Talent“, dem britischen Pendant zum „Deutschland sucht den Superstar“, verbunden mit dem Durchbruch. Der Rest dürfte bekannt sein.

Um der Dramaturgie Willen ist die Biographie von Paul Potts geglättet worden, diverse Details sind unter den Tisch gefallen oder überhöht worden. Zum Beispiel, daß er ein Philosophie-Studium absolviert hat, oder daß er bei The CarphoneWarehouse zum leitenden Angestellten aufgestiegen ist. Es mußte alles ein wenig märchenhafter sein, ein bißchen kitschiger. Skurrile Figuren in seinem Umfeld und eine Prise britischem Humors machen die herzerwärmende Melange erfreulicherweise nicht ganz so süß, die souveräne Kameraführung von Florian Ballhaus trägt seinen Teil dazu bei, hat er geschickt Licht und Schatten immer wieder gegenübergestellt. Hier das düstere Industrierevier – da das helle, lichtdurchflutete, Renaissance-Ambiente Venedigs. Und eine Kreisbewegung der Kamera um 360 Grad, ganz im Stil seines Vaters Michael Ballhaus, darf auch nicht fehlen.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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