Vielen Dank für Nichts


 

Vielen Dank für Nichts - Camino Filmverleih

Vielen Dank für Nichts – Camino Filmverleih

Gestern noch im schönsten Snowboard-Himmel. Dabei sein, das Leben genießen. Dann ein schlimmer Unfall – und raus aus allen Träumen. Heute im Rollstuhl sitzen – fair ist das nicht. Und nun soll er auch noch an einem Theater-Projekt für Behinderte teilnehmen – Hamlet – und in der Zeit in einem entsprechendem Wohnheim untergebracht werden. Das deutsch-schweizerische Drehbuch- und Regie-Duo Stefan Hillebrand und Oliver Paulus hat aber kein übliches Sozial-Melodram aus der Geschichte gemacht, sondern einen Film ohne Mitleid, direkt, rauh und anstößig gedreht. Endlich mal ein Streifen zu diesem Thema, der auf diese Versteher-Attitüden verzichtet – aber mit dahinter lauerndem authentischem Witz und Biss.

Schweiz/Deutschland 2013

Buch + Regie: Stefan Hillebrand, Oliver Paulus

Darsteller: Joel Basman, Nikki Rappl, Bastian Wurbs, Anna Unterberger, Isolde Fischer, Antonio Viganó, Ricardo Angelini

Länge: 95 Minuten

Verleih: Camino Filmverleih

Kinostart: 5. Juni 2014

Valentin (Joel Basman) leidet verständlicherweise unter einem Schock nach seinem Snowboard-Unfall. Und sitzt nun querschnittsgelähmt im Rollstuhl, mitten unter teilweise Schwerstbehinderten in einem speziellen Wohnheim. Und ist wütend – auf sein unvermitteltes Schicksal, auf seine Mutter, die ihn zu diesem Theater-Projekt für Behinderte geschleppt hat. Er läßt keinen an sich heran, den Theater-Regisseur nicht, die Sozialpädagogin auch nicht. Vor allem ist er wütend auf sein Umfeld, auf all die kranken, versehrten Menschen, die nur zappeln, sabbern und stottern. Ständig müssen die Jungs gegen ihre eigene Hilflosigkeit ankämpfen und um Aufmerksamkeit und Vertändnis buhlen.

Um diese Wut rauszulassen wird Sarkasmus als Grundstimmung in lebendige und freche Bilder umgesetzt. So fährt Valentin mit seinen Tisch- und Zimmergenossen Lukas (Nikki Rappl) und Titus (Bastian Wurbs) in die Fußgängerzone und in dann in die Waden von Passanten, die erst genervt, dann voller Hilflosigkeit der Situation zu entkommen suchen. Die Maske der Toleranz fängt dabei an zu bröckeln – ohne dazu zu stehen.

Dann kommt die Liebe ins Spiel, was für seelischen Auftrieb bei Valentin sorgt. Er verliebt sich nämlich in die adrette Pflegerin und Therapeutin Mira (Anna Unterberger). Das Problem: Sie lebt mit dem Schleimer und BML-Studenten Marc (Ricardo Angelini) zusammen. Für Valentin gibt es nur einen (verrückten) Weg um Mira zu imponieren, quasi um von der Opfer- in die Täterrolle zu kommen. Er will die Tankstelle überfallen, in der Marc nebenbei jobbt. Begeisterte Komplizen findet er in Lukas und Titus, mit denen er sich schon ein wenig anfreunden konnte, weil er mit seinem Sarkasmus bei ihnen offene Türen eingerannt ist. Folglich schmiedet das Trio einen boshaften Plan.

Mit Häme, Biss, einer Portion Frechheit und weit entfernt von dem häufig in Szene gesetzten Sozial-Kitsch, plädiert der Film – mit dem Einsatz einer Handkamera – für eine ehrliches, ungeheucheltes Miteinander von Menschen mit und ohne Einschränkungen. Und das am Ende aufgeführte Theaterstück „Hamlet“ gewinnt eine ganz neue Bedeutung.

Heinz-Jürgen Rippert

 

 

 

 

 

 

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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