Oktober November


 

Oktober November - MFA

Oktober November – MFA

Es ist Herbst, goldener Oktober. Der Vater erleidet einen Herbstinfarkt, Grund für den Rest der Familie, zusammen zu kommen. Zwei Töchter, die unterschiedlicher nicht sein können, sehen sich nach langer Zeit wieder und haben sich entfremdet. Die Mutter ist schon länger tot, der Vater hat nicht mehr viel Zeit, ein Familiengeheimnis noch zu offenbaren. Vergrabene Konflikte müssen jetzt ausgetragen werden. Glänzend gespieltes Familiendrama von Götz Spielmann, einem der wichtigsten österreichischen Autorenfilmer. Zum überzeugenden

Ensemble gehören Ursula Strauss, Nora von Waldstätten und Peter Simonischek.

Österreich 2013

Buch + Regie: Götz Spielmann

Darsteller: Peter Simonischek, Ursula Strauss, Nora von Waldstätten, Sebastian Koch, Johannes Zeiler, Andreas Ressl, Sebastian Hülk, Samuel Finzi

Länge: 114 Minuten

Verleih: MFA

Kinostart: 12. Juni 2014

Der alte Gasthof im österreichischen Voralpenland wird nicht mehr betrieben. Er wirkt ein wenig düster und wegen seiner Größe verlassen. Verena (Ursula Strauss) lebt mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn noch dort. Und ihr Vater (Peter Simonischek) will nichts mehr mit einem Wirtshaus zu tun haben, seitdem seine Frau bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Dann erleidet er einen Herzinfarkt.

Sonja (Nora von Waldstätten), Verenas jüngere Schwester, kommt aus Berlin angereist. Dort ist sie inzwischen zu einem erfolgreichen TV-Star avanciert, im heimatlichen Gasthof wirkt sie aber wie eine Fremde. Sie war lange nicht mehr dort. Zwei Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, haben sich spürbar entfremdet. Sonja lebt in der grellen Film(schein)welt Berlins, hat sich dort ein schickes, helles, durchdesigntes Apartment eingerichtet und gibt außerhalb der Sets die Unnahbare. Lächeln setzt sie für Rollen ein. Im wirklichen Leben kommen solche Anwandlungen nicht vor.

Verena ist die Bodenständige. Sie hat das Dorf mit dem Wirtshaus nie verlassen und kümmert sich um Mann, Kind und Vater. Nebenbei hat sie ein Verhältnis mit dem kultivierten Landarzt (Sebastian Koch) – ihre einzige kleine Flucht aus dem alltäglichen Trott. Sonja beneidet ihre Schwester um ihr ruhiges Leben. Bei Verena ist es umgekehrt. Sie trauert ihren unverwirklichten Träumen nach. Götz Spielmann unterstützt diesen Kontrast durch gegensätzliche Bilder: hier der düstere, herbstliche Gasthof – da die helle, bunte, freundliche Bergwelt.

Der Filmemacher läßt überhaupt gerne Bilder sprechen, ergänzt auf diese Weise das, was nicht gesagt wird, und die Protagonisten lassen ihre Mimik sprechen, wenn es nötig ist. Eine reife schauspielerische Leistung ist dabei die Darstellung des Todeskampfes von Peter Simonischek. Er hat vorher noch sein Leben ordnen können. Durch den Tod des Patriarchen sind die Schwestern auf sich zurückgeworfen, kommen sich dadurch vielleicht wieder näher, selbst wenn noch ein Stück unerwartete Wahrheit dazugekommen ist. Das Leben ist endlich, vermittelt ihnen dieser Schicksalsschlag. Ändern kann man die Tatsache nicht, aber ehrlicher zu anderen und sich selbst sein. Entgültige Lösungen will und kann der Film nicht anbieten. Muß er auch nicht – er ist ein grandioses, unprätentiöses Kammerspiel.

Heinz-Jürgen Rippert

 

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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