Harms


 

Harms - Kinostar

Harms – Kinostar

Es gab mal einen bekannten Tennis-Manager, der hatte auch so einen Bart – die Mundwinkel entlang bis zum Kinn runter. Harms, ein Ex-Knacki trägt diesen Haarschmuck und ein verkniffenes Gesicht. Er will es noch einmal wissen – zum letzten Mal – und den großen Coup landen. Heiner Lauterbach gibt diesen finster dreinschauenden Gangster und Regisseur Nikolai Müllerschön versucht mit seinem Werk dem typischen Gangster-Film in Deutschland Leben einzuhauchen.

Deutschland 2013

Buch + Regie: Nikolai Müllerschön

Darsteller: Heiner Lauterbach, Axel Prahl, Valentina Sauca, Friedrich von Thun, Martin Brambach, Benedikt Blaskovic, André Hennicke

Länge: 98 Minuten

Verleih: Kinostar

Kinostar: 12. Juni 2014

Wie alt er ist, weiß keiner. Jedenfalls ist er wortkarg, stoisch, abweisend und skrupellos. Harms (Heiner Lauterbach) hat sechszehn Jahre gesessen und will es nach seiner Haftentlassung noch einmal wissen. Der letzte große Coup soll es sein und dann sich erst entgültig zurückziehen. Also sucht er alte Kumpels auf – dargestellt von „den üblichen Verdächtigen“ des deutschen Fernsehens:

Axel Prahl, Martin Brambach, André Hennicke, Benedikt Blaskovic und Friedrich von Thun. Die eigentliche Figur im Hintergrund verkörpert von Thun, der hier als ehemaliger Bundesbankvorstand den Anstoß gibt – mit dem Tipp, bis zu 100 Millionen Euro aus dem Keller der Bundesbank zu holen.

Wir kennen die Klassiker des Genrefilms, etwa aus Frankreich oder den USA, bei denen die Coups präzise vorbereitet und durchgeführt werden – handwerklich und visuell bestens auf die Leinwand transportiert. Bei „Harms“ wollen die Macher das auch, aber sie wollen alles. Sie wollen endlich einmal den deutschen Gangster-Film drehen – und das sogar ohne Fördergelder. Die hätten sie nur bekommen, wenn die Figuren insgesamt positiver gezeichnet worden wären. Das ist natürlich bei diesem Genre reiner Quatsch. Dabei ist die Hauptfigur vielschichtig angelegt – nur das ist den Fördermittel-Bewilligern nicht aufgefallen.

Heiner Lauterbach hat seinem Harms das mitgegeben, was alle großen Vorbilder ebenfalls hatten: Kompromißlosigkeit, starker Wille, Härte – auch gegen sich selbst, Einsamkeit und einen Hauch von Melancholie. Und er besitzt Prinzipien. Über die verfügen seine Kumpels allerdings nicht, dafür über Gier, Haltlosigkeit und Nerven. Harms hat nämlich geplant, nur ein Drittel des Geldes mitzunehmen, sonst würde ihnen das Unternehmen über den Kopf wachsen. Welche Ziele hat eigentlich der Ex-Bundesbanker? Aus dem großen Coup wird schließlich ein ausuferndes Blutbad, eine Eruption der Gewalt. Da bricht der Spannungsbogen entgültig, kann man nur sagen. Schade. Davor ging es um Hackbraten und eine gelangweilte Bettgeschichte, Sprüche und wenig Spannung. Am Genre Gangsterfilm muß hierzulande einfach noch gefeilt werden.

Heinz-Jürgen Rippert

 

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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