Die unerschütterliche Liebe der Suzanne


 

Suzanne - Arsenal Filmverleih

Suzanne – Arsenal Filmverleih

Zwei Schwestern, die ohne Mutter aufgewachsen sind und doch eine glückliche Kindheit verbracht haben, stehen im Mittelpunkt der Geschichte von Katell Quillévéré. Der Vater hat es nicht einfach, versucht mit seinen Töchtern dennoch alle Höhen und Tiefen durchzustehen – auch die Schwangerschaft von Suzanne. Jahre später verliebt sie sich in einen durchaus sympathischen, aber äußerst halbseidenen jungen Mann. Das Leben der Familie droht zu zerbrechen. Suzanne ist trotzdem bereit, diesem Mann überall hin zu folgen – und wenn es ins Verderben ist. Geht sie wirklich so weit? Sara Forestier als Suzanne und Francois Damiens als Vater bringen uns ihre Figuren glaubwürdig und berührend näher. Ein Sozialdrama voller Gefühle und Melancholie, ohne Pathos – aber mit vielen Lücken.

Frankreich 2013

Regie: Katell Quillévéré

Buch: Katell Quillévéré + Mariette Désert

Darsteller: Sara Forestier, Adèle Haenel, Francois Damiens, Paul Hamy, Corinne Masiero

Länge: 94 Minuten

Verleih: Arsenal Filmverleih

Kinostart: 19. Juni 2014

In der ersten halben Stunde sehen wir die beiden Mädchen Suzanne und ihre Schwester Maria als Kinder (Apollonia Luisetti, Fanie Zanini) die, trotz Verlust der Mutter, eine schöne Zeit verleben können. Nach einer halben Stunde macht die Zeit einen Sprung und die beiden eigentlichen Protagonisten im Teenie-Alter betreten die Szenerie (Sara Forestier und Adèle Haenel als Maria). Allmählich wird deutlich, daß Suzanne jeden erdenklichen Mist baut, während Maria mehr das bodenständige Mädchen ist, das bei allen möglichen Kapriolen mitmacht, ihre Schwester deckt und sie zu verstehen versucht.

Der Vater, liebevoll, linkisch, teilweise überfordert, wird auf allen Zeitebenen von Francois Damiens dargestellt. Er muß zunehmend dicke Brocken schlucken – und das bei stetigem Wechsel zwischen seinem Job als LKW-Fahrer und als Hausmann. Etwa die frühe Schwangerschaft Suzannes, die von der Familie dennoch toleriert wird. Der kleine Sohn braucht drei Darsteller für seine Lebensstationen, die ihn für längere Zeit weg von seiner Mutter führen. Suzanne verliebt sich in den nicht unsympathischen, aber halbseidenen Julien (Paul Hamy). Der Kleinganove übt eine derartige Faszination auf die junge Frau aus, daß sie bereit ist, alles für ihn zu tun. Sie folgt ihrer großen Liebe nach Marseille und Algerien, läßt ihre Familie zurück und links liegen – und letztlich auch sich selbst.

Die Lebenslangzeitbeobachtung besteht aus Ausschnitten von 25 Jahren. Mehr kann es auch nicht sein. Aber ein vollständiges Bild läßt sich daraus natürlich nicht gewinnen. Regisseurin Katell Quillévéré will den Zuschauer eher berühren und verstören und setzt geschickt die mimischen Qualitäten der Darsteller ein. Warum sie aber Maria in der Mitte des Films aus der Handlung herausgenommen hat – Tod durch einen Unfall – bleibt Quillévérés Geheimnis. Suzanne rückt deshalb mit ihrem Vater in den Mittelpunkt. Uns wird drastisch vorgeführt, wie sie den Boden unter den Füßen verliert. Einbruch, Knast, Schmerz, Hilflosigkeit, es sind diese verstörenden, tragischen Momente, die uns ratlos zurücklassen. Die mögliche Versöhnung mit ihrem Vater und das Wiedersehen mit ihrem Sohn ist da schon fast ein Trost, ebenso wie die abschließende Gospelversion Nina Simones von Leonard Cohens „Suzanne“.

Heinz-Jürgen Rippert

 

 

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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