Finding Vivian Maier


Vivian Maier - NFP

Vivian Maier – NFP

Keiner wußte, welche Schätze von ihr in irgendwelchen Kisten und Kartons schlummerten. Fotografische Schätze, deren Bedeutung erst nach und nach ans Tageslicht kamen. Die Rede ist von der bisher unbekannten Vivian Maier aus Chicago, und John Maloof, der diese Schätze entdeckt und gehoben hat. Malhoof hat daraus einen Dokumentarfilm gemacht, der gleichzeitig die Frau hinter der Kamera porträtieren will. So ganz ist ihm das nicht gelungen, Vivian Maier bleibt ein Mysterium. Dafür hinterlassen die Fotos einen bleibenden Eindruck. 

USA 2013

Buch + Regie: John Maloof, Charlie Siskel

Länge: 83 Minuten

Verleih: NFP marketing & distribution

Kinostart: 26. Juni 2014

2007. John Maloof ist kein professioneller Fotograf, vielmehr Immobilienmakler, der Fotos für ein Buch über Chicagos Stadtgeschichte sucht. Bei einer Versteigerung von Artikeln des täglichen Bedarfs erwirbt er preiswert eine Kiste mit Fotos, Zeitungsausschnitten, bisher unentwickelten  Filmen und Negativen. Sie stammen aus den 50er, 60er und 70er Jahren.

Beim Sichten des Materials, zwei Jahre später, kommt Maloof aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die bisher sichtbaren Fotos offenbaren präzis festgehaltene Momente aus dem Alltag in New York und Chicago, wundervolle Porträts von Menschen aller Schichten, originelle und witzige Augenblicke in den unterschiedlichsten Milieus. Ein fotografischer Schatz. Aber wer war die Frau hinter der Kamera, die 1926 in New York geboren wurde und in jenem Jahr – 2009 – in Chicago verstorben ist?

John Maloof hat sich mit dem Dokumentarfilmer Charlie Siskel zusammengetan, um das Rätsel zu lösen und darüber einen Film zu machen. Eine Spurensuche, die bis Frankreich geht. Bekannt war ihnen, daß Vivian Maier den größten Teil ihres Lebens als Kindermädchen oder Nanny gearbeitet hat. Sie haben ehemalige Zöglinge und Arbeitgeber vor der Kamera erzählen lassen. Merkwürdig, schrullig, hart, launisch sei Maier gewesen. Sie soll ihren Namen öfters geändert haben und immer die Öffentlichkeit gescheut, obwohl sie sich ständig mit den Kindern in der Öffentlichkeit bewegt hat – und ihrer Rolleiflex-Kamera.

Kontakte hat sie anscheinend zu niemand anderem gehabt. Vivian Maier ist kinderlos geblieben und wohl einsam gestorben. Ihren Alltag kann man dennoch sehen – auf ihren Fotos. Sie hat ja alles dokumentiert, was in ihrer Umgebung passiert ist. Die Filmemacher Maloof und Siskel sind dagegen nie hinter das Mysterium Vivian Maier gekommen. Da half auch die Reise nach Frankreich nicht, wo die letzte Verwandte der Fotokünstlerin lebt.

Maloof hat sich dafür selbst sehr gut in Szene setzen, und eine positive PR-Eigeninitiative  auf die Leinwand bringen können. Es lebe die Selbstvermarktung. Von Vivian Maier bleiben dafür über 100 000 Negative. Großformatige Abzüge  finden jetzt ihren Weg in die große Galerien der Welt, New York, London, Paris, Moskau  – von geplanten Bildbänden ganz zu Schweigen.

Bleibt die Frage, ob die scheue Vivian Maier über diese Entwicklung glücklich gewesen wäre?

Heinz-Jürgen Rippert

Advertisements

Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s