Die geliebten Schwestern


Die geliebten Schwestern - Senator Filmverleih

Die geliebten Schwestern – Senator Filmverleih

Dominik Graf ist nach längerer Zeit mal wieder aus seinem Schatten – sprich Krimis + Thriller – herausgetreten und bringt einen beschwingten Liebesfilm aus der Zeit der Klassik in die Kinos. Keinen angestaubten Film über den jungen Friedrich Schiller und zwei in ihn verliebte Schwestern, sondern etwas Frisches, Freches und gleichzeitig ein lebendiges Stück Biographie des berühmten Dichters – gewissermaßen eine Zeitreise zu den Sehnsüchten des Freidenkertums im 18. Jahrhundert, die Utopie einer Ménage-á-trois verwirklichen zu können. Florian Stetter, Hannah Herzsprung und Henriette Confurius als Hauptdarsteller sind hinreißend

Deutschland/Österreich 2013

Buch + Regie: Dominik Graf

Darsteller: Florian Stetter, Hannah Herzsprung, Henriette Confurius, Maja Maranow, Ronald Zehrfeld, Anne Schäfer, Andreas Pietschmann, Claudia Messner

Länge: Festivalfassung – 170 Minuten, Kinofassung – 138 Minuten

Verleih: Senator

Kinostart: 31. Juli 2014

Der 27jährige Friedrich Schiller (Florian Stetter) kommt 1787 zum ersten Mal nach Weimar. Er will jemand nach dem Weg fragen, trifft auf die charmant-selbstbewußte Charlotte von Lengefeld (Henriette Confurius), die ihm helfen will, und schon entspinnt sich ein frech-provokanter Dialog über die Fähigkeit von Frauen, sich räumlich zu orientieren. Dies kommt mit einer Leichtigkeit daher, daß weniger der Inhalt des Gespräches bedeutend ist, eher ein gewisses Vibrieren, weil es funkt. Und das nicht nur zwischen den beiden, denn dies ist der Beginn einer aufregenden Ménage-á-trois, einer Dreiecksbeziehung.

Charlotte hat noch eine Schwester – Caroline von Beulwitz (Hannah Herzsprung), die unglücklich verheiratet ist. Beide kommen aus einer verarmten Adelsfamilie und Mutter Louise von Lengefeld (Claudia Messner) möchte natürlich, daß ihre Töchter durch standesgemäße Ehen einen gewissen Lebensstandard garantieren – für die ganze Familie. Deshalb beißt Caroline in den sauren Apfel mit ihrem ungeliebten Ehemann und Louise von Lengefeld findet den Habenichts Friedrich Schiller für dieses Unterfangen etwas unpassend, aber sonst durchaus sympathisch.

Ein Jahr später wird der junge Dichter auf den Wohnsitz der von Lengefelds bei Rudolstadt in Thüringen eingeladen. Es ist Sommer, die Hitze flirrt nicht nicht nur in der Luft. Caroline und Charlotte verlieben sich beide in Friedrich. Weimar ist weit, die Konventionen sollen zum Teufel gehen. Vor dem Hintergrund des Schwures der Schwestern, alles zu teilen, sind sie auch bereit, sich ihre neue Flamme zu teilen.

Es ist die Sprache und der kreative Umgang mit diesem Kulturgut, das Dominik Graf so fasziniert und inspiriert hat. Daraus und damit entwickelt er dieses heiße Spiel um Gefühle, Anziehung und Erotik. Verwoben mit dem fast schon impressionistischen Flair der grünen, sonnigen Saale-Auen, macht es Spaß, das als Zuschauer zu genießen. Alleine die Tricks, verschlüsselte Wörter per Brief zu übermitteln – ein prickelndes Spiel. Wir sehen, wie insbesondere Carolines literarisches Talent von Schiller gefördert wird – bis zum Buchdruck. Die heutigen SMS-User können von derlei Sinnlichkeit nur träumen.

Friedrich Schiller hat Charlotte von Lengefeld wirklich geheiratet und Caroline ist seine Schwägerin geworden. Das ist alles dokumentiert – im Literaturarchiv Marbach. Wie weit sein Verhältnis zu Caroline gegangen ist, läßt sich allerdings nur vermuten. Briefe gibt es in Marbach.

Im Film zerbricht die Utopie der Drei, als Charlotte ihr Kind zur Welt bringt. Die Zeit ist weiter gegangen und alles im Umbruch – am Vorabend der französischen Revolution und damit am Übergang von der höfischen zur bürgerlichen Gesellschaft. Und so manche Utopien lassen auch heute nicht so einfach durchsetzen. Ein Grund mehr, sich diesen wunderschönen, geschmackvoll ausgestatteten Film anzusehen.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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