Dido Elizabeth Belle


Dido Elizabeth Belle - Fox  Deutschland

Dido Elizabeth Belle – Fox Deutschland

Die Möglichkeit, historische Mißstände mit den Mitteln des klassischen Gesellschaftsdramas aufzuarbeiten, ist heute eine beliebte Unterhaltungsform des Films. Manches gelingt nicht, manches ja, besonders aufwühlend mit grausamen Gewaltdarstellungen. Steve McQueens US-Drama „12 Years as a Slave“ etwa, oder die südafrikanisch-britische Produktion „Mandela“ von Justin Chadwick oder Lee Daniels‘ „Der Butler“. Die Regisseurin Amma Asante hat sich Jane Austens Milieustudien des Adels erinnert, und deren Stilmittel mitgenommen in ihr neues Werk „Dido Elizabeth Belle“, das von der Beendigung der Sklaverei in England auf äußerst subtile und unterschwellig-spannnende Art erzählt. Neben der hoffnungsvollen Newcomerin Gugu Mbatha-Raw sind bewährte britische Stars dabei: Tom Wilkinson, James Norton, Miranda Richardson, Emily Watson und Matthew Goode

OT: Belle

Großbritannien 2013

Regie: Amma Asante

Buch: Misan Sagay

Darsteller: Gugu Mbatha-Raw, Emily Watson, Miranda Richardson, Tom Wilkinson, Matthew Goode, Sam Reid, Sarah Gadon

Länge: 104 Minuten

Verleih: Fox Deutschland

Kinostart: 14. August 2014

Diese Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. Im 18. Jahrhundert bringt Admiral Sir John Lindsay (Matthew Goode) der Royal Navy ein gemischtrassiges Kind mit nach England, das er auf den Karibischen Inseln – damals: Westindische Inseln – mit einer afrikanischen Sklavin gezeugt hat. Ihr Großonkel, Lord Mansfield soll das Mädchen bei sich aufnehmen. Hinzugefügt werden muß die Tatsache, daß für das britische Empire damals der Sklavenhandel die wichtigste ökonomische Stütze war.

Lord Mansfield (Tom Wilkinson) und Lady Mansfield (Emily Watson) adoptieren dennoch die kleine Belle und lassen sie eine hervorragende Ausbildung genießen. Das ist außergewöhnlich in frühen Zeiten des Rassismus – auch wenn dieser Begriff im 18. Jahrhundert nicht üblich ist.

Belle (Gugu Mbatha-Raw) wächst auf dem Landsitz der Mansfields zusammen mit ihrer gleichaltrigen Halbcousine Lady Elizabeth Murray (Sarah Gadon) auf. Das einzige, heute noch gezeigte Zeugnis dieser Zeit ist ein Gemälde (1779), das Drehbuchautorin Misan Sagay im Rahmen von Recherchen an der schottischen Universität St. Andrews gefunden hat. Darauf sind Belle und ihre Cousine zu sehen.

Trotz ihrer Privilegien hat Belle keinen Zugang zu den üblichen Vergnügungen der Upper Class. Das erschwert ihr naturgemäß auch den Zugang zum standesgemäßen Heiratsmarkt, wenngleich sie von ihrem Vater mit einer umfangreichen Mitgift ausgestattet worden ist. Die Liebe hat dennoch ihre Chance, in Gestalt des Vikarsohnes John Davinier (Sam Reid), zwar nicht ganz standesgemäß, der aber durch sein Engagement gegen die Sklaverei letzlich überzeugend punkten kann und dessen Verbindung zur jungen Lady Mansfield dem Film eine romantische Note verleiht.

Amma Asante hat durch die Darstellung dieser gesellschaftlichen Rituale – inklusive der opulenten Ausstattung – Jane Austens Sujet der victorianischen Adels- und Ehedramen mit Gesellschaftskritik an Diskriminierung und Rassismus verbinden können. Formal ist das unterhaltend, durch Verdichtung auch spannend und ein wenig berührend. Eine starke Authentzität haben die Macher durch die Dreharbeiten im original Landschloss der Familie Mansfield erreichen können.

Lord Mansfield, damals gleichzeitig oberster Richter des Königreiches, hat letztlich für die Abschaffung der Sklaverei und des Sklavenhandels entschieden und damit gegen Ende des 18. Jahrhunderts einen wichtigen historischen Meilenstein gesetzt.

Also ein Film fürs Herz und den Verstand – über eine ungewöhnliche Frau.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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