Star-Komiker und Schauspieler Robin Williams ist tot


Überraschend ist Robin Williams am 11. August 2014 im Alter von 63 Jahren gestorben. Zuletzt lebte er in Tiburon bei San Francisco/Kalifornien, USA. Er war einer der großen Mimen, die alles beherrschten und glaubhaft vermitteln konnten: Komik und Trauer, Freundlichkeit und finstere Abgründe mit der ganzen Kälte. Oft wußte man nicht, ob man lachen oder weinen sollte. Seine Menschlichkeit, von der die meisten Kinobesucher angetan waren, war in dieser Form recht selten – deshalb wird das Gefühl bleiben – einen Menschen zu verlieren, den man persönlich gar nicht kannte, aber trotzdem meint, sehr gut zu kennen, weil er einem so viel Freude und meist zum Lachen brachte. Ein letztes Mal deshalb (die Fans von „Der Club der toten Dichter“ kennen das): „O Captain! My Captain!“.

Good Morning Vietnam - Buena Vista Films

Good Morning Vietnam – Buena Vista Films

Robin Williams wurde am 21. Juli 1951 in Chicago, Illinois geboren. Finanzielle Sorgen brauchte er sich keine zu machen, seine Familie war ziemlich begütert. Zuerst wollte Robin Politikwissenschaft studieren, brach aber sein Studium schnell ab, den anschließenden Besuch einer Theaterklasse schmiss er ebenfalls. In Kalifornien wurde er  dann Mitglied bei „The Comedy of San Francisco“, als Stand-Up-Comedian, wollte sich dennoch weiterbilden und bekam die Möglichkeit, an der renommierten Schauspielschule Julliard’s zu studieren.

Der Club der toten Dichter - Universum Film

Der Club der toten Dichter – Universum Film

1978 bis 82 wurde er landesweit durch die Fernsehserie „Mork vom Ork“ bekannt. Der Kino-Durchbruch erfolgte 1987 mit „Good Morning  Vietnam“, wo Robin Williams sein Improvisations-Talent einmal mehr zur Geltung bringen konnte. In dem Anti-Kriegsfilm spielte er einen unangepaßten, unkonventionellen Hörfunk-Moderator namens Adrian Cronauer bei einem Army-Sender in Saigon, der bei den GIs äußerst beliebt war -bei seinen Vorgesetzten dagegen nicht. Unvergessen sein Morgengruß „Gooooooooood Mooorning Vietnaaaaaaaaam“.

Den subversiven, provozierenden Gestus hat Williams zwei Jahre später bei „Der Club der toten Dichter“ verfeinern können – als liberal und freigeistig denkender Literaturlehrer an einer konservativen Elite-Schule. Tragikomisch zwar, aber aufrüttelnd und mutmachend für viele junge Leute, und nicht nur für sie. John Keating hieß der Lehrer und seine Schüler riefen ihm „O Captain! My Captain“ zu.

König der Fischer - Sony Pictures

König der Fischer – Sony Pictures

Der Autor dieser Zeilen hat nicht den Sommerabend in Hamburg vergessen, es waren einige Jahre nach der offiziellen Kino-Auswertung, als beim Freiluft-Kino auf dem Rathaus-Markt ungefähr 7000 bis 8000 Menschen versammelt waren, um sich diesen Streifen anzuschauen. Kein anderer Film hat das dort je übertreffen können. Und Szenen-Applaus gab es zu Hauf. So kann man auch einem Film huldigen.

Es folgte „König der Fischer“ mit Jeff Bridges, unter der Regie von Terry Gilliam. Das Drama um einen obdachlos gewordenen ehemaligen Professor, der den brutalen Tod seiner Ehefrau nicht verkraftet hat, und gleichzeitig die Spiegelung der mittelalterlichen Gralsgeschichte auf unsere modernen Zeiten. Tragisch, komisch und melancholisch.

In den 1990er drehte Robin Williams einige Kinderfilme, in denen er einfach nur Spaß machen und haben wollte. Da konnte er den Clown mal so richtig rauslassen: „Flubber“, „Hook“, „Patch Adams“, „Toys“.

Mrs. Doubtfire - Twentyth Century Fox

Mrs. Doubtfire – Twentyth Century Fox

Den Höhepunkt dieser Zeit aber war „Mrs. Doubtfire“. Ein großer Erfolg beim Publikum. Hier spielte der Komiker einen verlassenen und arbeitslosen Vater, der – um den Kontakt zu seinen Kindern und die Kontrolle über seine noch Ehefrau zu behalten – in die Rolle eines Kindermädchens schlüpft. Showtime par excellence. Hier konnte er wieder mit seiner Stimme und der Gestik spielen, was seinesgleichen suchte. Originell und witzig, einfallsreich und berührend.

 

Good Will Hunting - Universum Film

Good Will Hunting – Universum Film

Robin Williams gelangen seine besten schauspielerischen Leistungen  in „Good Will Hunting“ (1997). In der Geschichte um ein junges, verkanntes Mathematik-Genie (Matt Damon – auch am Drehbuch beteiligt), das aus dem armen, heruntergekommenen Teil Bostons kommt, straffällig wird und nun per Gerichtsauflage dem Psychotherapeuten Sean Maguire gegenübersitzt. Maguire ist aber selbst ein geschlagener Mensch. Brilliant die Dialoge zwischen den Beiden. Dafür gab es den Oscar für den besten Nebendarsteller. Matt Damon bekam übrigens zusammen mit Ben Affleck den Oscar für das beste Original-Drehbuch.

Insomnia - Warner Bros.

Insomnia – Warner Bros.

Die andere, dunkle Seite des Menschen erkundete Robin Williams mit gegen seinen Image-Strich gebürsteten Filmen, ausgefeilten Thrillern, etwa „Insomnia – Schlaflos“ (2001) und „One Hour Photo“ (2002). In „Insomnia – Schlaflos“ spielt er einen psychopathischen Killer, der in Alaska sein Unwesen und einen Polizisten (Al Pacino) in den Ruin treibt. Ein spannendes Psycho-Duell, bei dem Williams Pacino gleichsam an die Wand spielt. In „One Hour Photo“ ist er ein einsamer Photo-Laborant, der durch Kenntnis der Bilder, sich immer tiefer in das Leben einer Familie einmischt und sie zu terrorisieren beginnt.

Leider mußte Robin Williams sich auch in seinem eigenen Leben mit den dunklen Seiten seiner Seele auseinandersetzen. Immer wieder versuchte er seine Alkohol-Sucht in den Griff zu kriegen, gegen Heroin anzukämpfen und seine Depressionen zu besiegen. Den Kampf hat er nun verloren, seine Ehefrau, – die dritte – Susan Schneider und drei erwachsene Kinder ebenfalls.

Nach neuesten Erkenntnissen soll sich Robin Williams vermutlich in seinem Haus erhängt haben.

Good bye Captain!

Heinz-Jürgen Rippert

 

 

Advertisements

Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
Dieser Beitrag wurde unter Nachruf abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s