Kofelgschroa Frei.Sein.Wollen.


Kofelgschroa - movienet

Kofelgschroa – movienet

Das Porträt einer schrägen bayerischen Musikgruppe. Schon der Name hört sich schräg an. Dabei ist Kofel nichts anderes als der Name des Oberammergauer Hausberges. Vier junge Musiker stammen von dort, die noch nicht wissen, wo sie ihr Weg hinführt. Das hat die Münchner Regisseurin Barbara Weber inspiriert, einen Dokumentarfilm über die Band mit dem für nicht-bayerische Ohren komischen Namen zu drehen. Gschroa bedeutet übrigens Geschrei. Sechs Jahre hat sie dafür investiert. Herausgekommen ist ein Porträt über eigensinnige Mittzwanziger, die eng mit ihrer Heimat verbunden, trotzdem neugierig sind auf die Welt – natürlich auch auf die Welt der Musik und ihre Möglichkeiten.

Deutschland 2014

Buch + Regie: Barbara Weber

mit: Matthias Meichelböck – Tenorhorn, Martin von Mücke – Helikontuba, Michael von Mücke – Flügelhorn und Gitarre, Maxi Pongratz – Akkordeon

Länge: 91 Minuten

Verleih: movienet

Kinostart: 7. August 2014 – Bayern, danach bundesweit

Erster Eindruck: Schräg. Zweiter Eindruck: Immer noch schräg. Dann aber wird man allmählich neugierig auf dieses Quartett mit dem tiefen bayerischen Dialekt. Die Musikinstrumente sind ja nicht alltäglich, aber sie passen irgendwie zusammen. Genauso wie die Band aus Oberammergau in Oberbayern: Matthias Meichelböck, Martin von Mücke, Michael von Mücke und Maxi Pongratz.

Vier heimatverbundene junge Leute, die bodenständigen Beschäftigungen nachgehen, ob in der Dorfschmiede, auf der Schafswiese oder in der Musikschulausbildung. Die als Musik zuerst die typisch bayerische Art bevorzugten, dann – so nach und nach – sich auch anderen Tönen öffneten. Damit haben sie ihr Publikum in der Region gefunden – bis nach München. Einordnen können oder wollen sie sich dagegen nicht. Etwas hilflos ringen sie um Begriffe wie kritisch oder sozialkritisch. Genau wissen sie es nicht. Oder vielleicht doch ein wenig politisch? Wer weiß.

Die Fernsehteams und Moderatoren oder Radiosprecher – zunehmend interessieren sich Medien für Band – geraten ins Schwitzen bei Interviews oder werden ratlos. Barbara Weber, die Regisseurin dieses Langzeitporträts, war dagegen von Anfang an von der Ehrlichkeit und Offenheit der Jungbayern fasziniert und mag besonders deren Spielfreude und Spontanität, verbunden mit Melancholie und trockenem Humor.

So hat „Kofelgschroa“ ihre erste CD veröffentlicht und ist aus Promotion-Gründen in Berlin, Hamburg und Köln unterwegs. Die große Welt ist neugierig auf die Newcomer. Aber Pläne hätten sie nicht – Unsicherheit bei Radiomoderatoren, die so etwas in ihrem Job noch nie gehört haben, und mit diesem Ausdruck der Oberammergauer für Das-Sich-Nicht-Anpassen-Wollen nichts anfangen können.

Deshalb erfrischend zu hören und zu sehen, kommt da doch diese merkwürdige Marketing-Welt der „Deutschland sucht den Superstar-(Un-)Kultur“ ins Rutschen. Glattgeschmirgelter Mainstram ist glücklicherweise nicht jedermanns Sache. Mal sehen, wie es mit diesen vier schrägen Vögeln weitergeht. Fest steht, daß man sich um sie eigentlich keine Sorgen machen muß.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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