Sag nicht, wer du bist!


Sag nicht, wer du bist! - Kool Filmdistribution

Sag nicht, wer du bist! – Kool Filmdistribution

Wieder ein überraschender Film des kanadischen Regie-Aufsteigers Xavier Dolan („I killed my Mother“). Ein Psychothriller mit Hitchcock-Anklängen – rätselhaft, wendungsreich und kontrovers, zugleich ein Film über die Einsamkeit und das Unglück einer Mutter. Ein Thriller, der sich einem nur langsam erschließt, dann aber den Zuschauer in seinen Bann schlagen kann. Jedenfalls ein ungewöhnlicher Film

OT: „Tom At The Farm“

Kanada 2013

Regie: Xavier Dolan

Buch: Xavier Dolan, Michel Marc Bouchard – basierend auf dem Roman von Michel Marc Bouchard

Darsteller: Xavier Dolan, Pierre-Yves Cardinal, Lise Roy, Évelyne Brochu, Manuel Tadros, Jacques Lavallée, Anne Caron, Olivier Morin

Länge: 105 Minuten

Verleih: Kool Filmdistribution

Kinostart: 21. August 2014

Neblig ist es auf dem Lande. Tom (Xavier Dolan) müht sich mit seinem Auto, den richtigen Weg zu einer Farm zu finden. Er kommt aus Montreal und will zur Beisetzung seines Lovers. Am Ziel inmitten von herbstlichen Maisfeldern angekommen, stellt er fest, daß Mutter Agathe (Lise Roy) keine Ahnung vom schwulen Leben ihres verstorbenen Sohnes hat, von der Existenz Toms auch nicht. Dann gibt es da noch Francis (Pierre-Yves Cardinal), den älteren Bruder, der die Mutter vor der Wahrheit schützen will – und zwar mit allen Mitteln.

Dazu läßt er sich vielerlei einfallen. Gleichzeitig ist das der Sog, auf den Regisseur/Schauspieler Xavier Dolan setzt. Eine diffuse Spannung, eine Suspense a la Hitchcock macht seinen Thriller oder vielmehr seine Hommage an das Thriller-Genre aus. Das geht so weit, daß daß zwar nicht ein Duschvorhang, sondern Toms Autoreifen aufgeschlitzt werden und sinfonische Musik, angelehnt an Hitchcocks „Psycho“, das unterschwellig-unheimliche Geschehen verstärkt.

Francis will verhindern, daß Tom den Hof verläßt. Sein Verhalten wird immer aggressiver und körperlicher. Er kommt seinem Kontrahenten, der sich zunehmend mit der Rolle des Drangsalierten abzufinden scheint, immer näher. Erniedrigung und Nähe, aufgeladen mit erotischer Spannung, läßt Dolan meist von ganz nah filmen. Die Zelebrierung des argentinischen Tangos ist dabei eine der schönsten Szenen des Films. Francis und Tom tanzen bei diffusem Licht im Stall. Aggression und Nähe eindrucksvoll – aber anders ausgedrückt. Tom macht mit. Das ist das Erstaunliche an diesem abgründigen Film.

Noch erstaunlicher ist die Drehzeit: Ganze 17 Tage – mit wenig Geld. Dafür bekommt man jedenfalls eine Menge zu sehen.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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