A Most Wanted Man


A Most Wanted Man - Senator Filmverleih

A Most Wanted Man – Senator Filmverleih

Anton Corbijn ist als Fotograf und Musikvideo-Regisseur weltbekannt. Als Regisseur von Spielfilmen hat er vor ein paar Jahren mit „Control“ und „The American“ reüssiert. Nun hat der Niederländer den Romanstoff von John le Carré mit gleichem Titel (deutscher Buchtitel: „Marionetten“) verfilmt. Ein melancholischer und packender Thriller, der in Hamburg und Berlin spielt und der Philip Seymour Hoffman einen letzten großen Auftritt vor seinem Tod verschaffte.

OT: A Most Wanted Man

Großbritannien/USA/Deutschland 2014

Regie: Anton Corbijn

Buch: Andrew Bovell, John le Carré

Darsteller: Philip Seymour Hoffman, Nina Hoss, Grigory Dobrygin, Homayoun Ershadi, Daniel Brühl, Herbert Grönemeyer, Willem Defoe, Rachel McAdams, Robin Wright, Rainer Bock

Länge: 122 Minuten

Verleih: Senator

Kinostart: 11. September 2014

Er hat noch etwas für uns. Ein letzter Filmauftritt des diesjährig überraschend verstorbenen Philip Seymour Hoffman. Anton Corbijn macht seinen dritten Spielfilm als Regisseur und sich wieder einmal seines visuellen Gespürs als erfolgreicher Fotograf zunutze. Und er gibt Hoffman noch einmal eine ganz besondere Bühne – eine schmutzige, die Bühne der Geheimdienste.

Zum größten Teil hat er in Hamburg gedreht, den letzten Teil in Berlin. Auch die attraktiven Drehorte hat er nicht in optische Opulenz gehüllt, sondern entsprechend des Sujets abseits der touristischen Glanzpunkte gedreht. Etwas von Endzeitstimmung ist deshalb zu spüren. Düster und melancholisch ist der Spionage-Thriller geworden. Dabei sollte man auf den Aspekt hinweisen, daß das Datum des deutschen Kinostarts mit dem Datum der Terroranschläge 2001 auf das World Trade Center übereinstimmt: Der 11. September. Wir erinnern uns, die Terrorzelle der Highjacker wohnte und studierte in Hamburg.

Geheimdienstaktivitäten waren und sind gerne ein Thema im Kino. Der Stoff von „A Most Wanted Man“ beruht auf der gleichnamigen Romanvorlage des britischen Bestseller-Autors John le Carré. Der deutsche Buchtitel lautet allerdings „Marionetten“, was durchaus auch einen Sinn ergibt, denn Geheimdienst-Agenten hängen an den Strippen der jeweiligen politischen Großwetterlage, die man heute schon als hysterisch bezeichnen kann. Carré kennt sich auf diesem Gebiet bekanntlich aus, war er doch selbst einmal bei den britischen Geheimdiensten MI5 und MI6 (In- und Auslandsdienst) – auch in Deutschland tätig.

„A Most Wanted Man“ ist der geheimnisvolle tschetschenische Flüchtling Issa Karpov (Grigory Dobrygin), der mit einem Schiff nach Hamburg kommt. Schon gerät er ins Visier verschiedener Geheimdienste. Was will dieser Mann? Was hat er vor? Er sucht Kontakt zur islamischen Gemeinde der Hansestadt und streckt die Fühler nach einem geheimnisvollen Bankier (Willem Defoe) in London aus. Der soll angeblich das Vermögen von Issas Vater verwalten.

In dieser Gemengelage taucht auch die Menschenrechtsanwältin Anabel Richter (Rachel McAdams) auf, die Karpov helfen will, an sein Vermögen zu kommen. Und natürlich die gesamte maßgebliche Riege des deutschen Verfassungs- und Staatsschutzes, des Bundesnachrichtendienstes, mit dem gleichzeitigen Aufmarschieren der deutschen Schauspielerelite wie Rainer Bock, Kostja Ullman, Martin Wuttke, Daniel Brühl und der großartigen Nina Hoss. Herbert Grönemeyer hat einen kleinen Auftritt, ist aber für die Filmmusik zuständig (das zweite Mal nach „The American“).

Von den amerikanischen und deutschen Stars ragt einer heraus, der hier seine letzte große Bühne vor seinem Drogentod gefunden hat: Philip Seymour Hoffman. Seine nochmals ins Szene gesetzte Präsenz ist beispielhaft. Ein im Grunde einsamer Mann ist sein Günther Bachmann, Leiter einer Spionage-Sondereinheit, der seine Prinzipien verteidigt bis zum bitteren Ende, einer der gegen Windmühlen kämpft. Eine Figur, der Hoffman alle Nuancen geben kann, die man sich als integrer Mann mit dem Wissen um die Fallstricke des Lebens,  im Laufe der Zeit aneignet. Die westlichen Geheimdienste wollen den schnellen Erfolg, sprich die rasche Verhaftung. Günther Bachmann sieht in dem Verdächtigen einen wertvollen Köder, den man erst einmal beobachten und kennenlernen muß um dann gegebenenfalls Hintergründe und eventuelle Anschlagspläne aufzudecken. Geduld und Zeit ist das Pfund, mit dem man wuchern sollte. Eine innerlich zerissene Persönlichkeit.

All das spielt in einer etwas düsteren und melancholischen Atmosphäre einer brüchigen, kaputten, Antihochglanz-Hansestadt Hamburg. Eine ebenfalls zerissene Kulisse – dennoch mit coolem Touch. „A Most Wanted Man“ bietet eine stilechte Optik in einem fesselnden und zeitkritischen Spionage-Thriller.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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