20 Feet From Stardom


20 Feet From Stardom - Weltkino

20 Feet From Stardom – Weltkino

Wir haben sie gehört und gesehen – mehr nicht. Ein paar „heiße Girls“, die sich gut bewegen konnten. Aber die Stars standen jeweils im Blickpunkt unseres Interesses. Deshalb haben wir Konzerte sehen oder Platten hören wollen. Nur – ohne Backgroundsänger wäre es nicht der Sound, den wir kennen und mögen. Jetzt hat Regisseur Morgan Neville einen Film über die anonym erscheinenden Sängerinnen gedreht und sie einmal ins Rampenlicht und uns auf beeindruckende Weise ein wenig näher gebracht. „20 Feet from Stardom“ stieß auf große Begeisterung und wurde 2014 mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

OT: 20 Feet from Stardom

USA 2013

Regie: Morgan Neville

Mit: Darlene Love, Merry Clayton, Lisa Fischer, Táta Vega, Judith Hill, Lou Adler, Stephanie Alexander, Patti Austin, David Bowie, Todd Boyd, Ray Charles, Stevie Wonder, Mick Jagger, Sting, Bruce Springsteen

Länge: 91 Minuten

Verleih: Weltkino Filmverleih

DVD-Neuerscheinung

„Der Weg nach vorne ist schwierig“ – “Wer mit diesem Sprung klarkommt, findet vielleicht auch seinen Weg als Leadsänger.“ Bruce Springsteen

Mit den Namen Darlene Love, Merry Clayton, Lisa Fischer oder Táta Vega können die wenigsten etwas anfangen. Sind sind sie doch nur Begleitsängerinnen, die für einen guten Sound sorgen und wenig meckern sollen. Dann sind sie wieder weg. Aber die Stars und ihre Songs sind es natürlich, worüber gesprochen wird: Ein Ray Charles oder ein Stevie Wonder, Bruce Springsteen, Sting, David Bowie oder die Rolling Stones. Vergessen wird: Der Groove entsteht durch die Leistungen der Begleitmusiker und -sänger.

Das Musikbusiness blüht und gedeiht – so flüstert uns die Marketingmaschinerie ein – durch Egomanen, die dominieren, abräumen, sei es Beifall, Geld und Ruhm. Morgan Neville hat sich bei seinem Film-Projekt an die Dokumentation „Standing in The Shadow of Motown“ erinnert, die die Hit-Musiker, Komponisten, und -Arrangeure des legendären Detroiter Soul-Labels „Motown“ porträtiert hat. Abgesahnt haben damals auch die in vorderster Front stehenden Stars und Aushängeschilder. Die im Keller der Company tüftelten Komponisten und Texter haben dann nachts noch in Jazz-Clubs gespielt, um ihr bescheidenes Salär aufzubessern.

Neville, der sich mit Musikthemen bestens auskennt, hat in seinem Film einige Sängerinnen nach vorne geholt und und ihnen eine verdiente große Bühne ausgebreitet. Und wir merken, welche Liebe zur Musik in ihnen steckt, welche Talente da schlummern, und wie sie trotzdem ihren Platz zugewiesen bekommen in der musikalischen Hackordnung. Obwohl ihre Stimmen immer wieder aufhorchen lassen. Einen gemeinsamen Background haben viele der Stimmkünstlerinnen: Sie sangen bereits als Kinder Gospels in Kirchen. Ihre Väter waren meist Priester.

Da wäre Lisa Fischer, die mit den Rolling Stones, Sting und Tina Turner tourte und ihre enorme stimmliche Bandbreite bei Gospel, Rhythm‘ and Blues, Soul und Jazz einzusetzen weiß. Fischer hat mit einem Soloalbum sogar einen Grammy gewonnen. Nur – vorne etablieren konnte sie sich dennoch nicht.

Merry Clayton reißt ihre Zuhörer mit ihrer überbordenden Stimme von den Sitzen. Ihre Mitwirkung am Stones-Klassiker „Gimme Shelter“ ist wohl der erfolgreichste Beleg dafür. Weitere Meilensteine: Carole Kings Erfolgsalbum „Tapestry“, Lynyrd Skynyrds „Sweet Home Alabama“ und Joe Cockers „Fellin‘ Alright“. Bei Ray Charles‘ „Raelettes“ war sie früher ebenfalls dabei.

Die großartige Darlene Love hat Sam Cooke, Dionne Warwick und Frank Sinatra begleitet und war Mitglied des Trios „The Blossoms“. In den 1960er Jahren glaubte sie, sich unter die Fittiche des erfolgreichen Hit-Produzenten Phil Spector begeben zu müssen und hat leider nicht rechtzeitig gemerkt, daß der Guru keinen Star neben sich im Studio duldete. Ihre besten Stücke wurden noch nicht einmal unter ihrem Namen veröffentlicht.

Drei Beispiele von vielen gebeutelten, im Grunde großen und selbstbewußten Sängerinnen. Wie groß muß das Ego eigentlich sein, um den Weg nach vorne bewältigen zu können? Die Stars, also Springsteen, Sting, Stevie Wonder oder Mick Jagger schätzen sie in ihren Statements. Wobei Jagger vielleicht die – ehrlichste – Antwort gibt, daß „es ja ganz nett sei, aber mit dem Singen von ‚Uhuuus‘ und ‚Ahaaas‘ würde er er nun wirklich nicht sein Geld verdienen wollen.“

Morgan Neville hat für seine lebhafte und stimmungsvolle Hommage Archivmaterial in Farbe und Schwarz-Weiß mit aktuellen Aufnahmen aus Studios und dem Umfeld der Protagonisten gemischt, wobei Musik und Gespräche sowie Statements immer die nötige Reibung geben und für Spannung sorgen. Tolle, interessante Künstler und viel groovende Atmosphäre machen seinen oscargekrönten Film aus. Und die Musikauswahl ist exzellent.

Heinz-Jürgen Rippert

 

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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