Land der Wunder


Land der Wunder - Delphi Filmverleih

Land der Wunder – Delphi Filmverleih

DieToscana jenseits aller Imagephantasien für Betuchte, als idyllische Freitzeitoase, gleichzeitig ein kritischer Blick auf ein selbstbestimmtes Aussteigerleben mit der Natur und die Coming-of-Age-Geschichte eines 12jährigen Mädchens. „Land der Wunder“ von Alice Rohrwacher wurde in Cannes 2014 mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.

OT: Le meraviglie

Italien/Deutschland/Schweiz 2014

Buch + Regie: Alice Rohrwacher

Darsteller: Maria Alexandra Lungu, Sam Louwyck, Alba Rohrbacher, Sabine Tiboteo, Margarete Tiesel, André Hennicke, Monica Bellucci

Länge: 111 Minuten

Verleih: Delphi Filmverleih

Kinostart: 2. Oktober 2014

Schon nach kurzer Zeit ist klar, daß es bei dieser Geschichte nicht um einen romantisierenden, verklärten Blick auf das Leben einer deutsch-italienschen Aussteigerfamilie geht. Ein Ehepaar mit vier Töchtern versucht mit ihren Bienenstöcken und dem Honigverkauf zu überleben. Gelsomina ist mit 12 Jahren die älteste Tochter, und kann schon erstaunlich gut mit den Bienen umgehen. Ein Mädchen, das bereits früh die Magie der Natur erkannt hat. Sonst ist von Idylle auf dem ersten Blick nichts zu sehen.

Die italienische Regisseurin Alice Rohrwacher will anhand eines Sommers im Leben dieser Familie zeigen, daß ein Aussteigerdasein in der heutigen Zeit hart sein kann, aber ebenso phantasievoll, wenn Kinder gelernt haben, unter die Oberfläche zu schauen. Die Liebe zu Unscheinbarem, etwa im Umgang mit der Natur gehört dazu. Gelsomina hat diese Gabe, während ihre Mutter mit den kleineren Töchtern genug zu tun hat. Und der Vater ist verbittert. Seine Ideale, vor dreißig Jahren im Gepäck, als er hier strandete, sind verflogen.

Rohrwacher beobachtet genau und ungeschminkt die Tagesabläufe mit ruhiger Hand, ganz im Stil der italienischen Neorealisten. Sie läßt sich Zeit dabei und ist immer nah dran an den Figuren. Vor allem Maria Alexandra Lungu als Gelsomina trägt ein Großteil der Handlung. Erstaunlich ihr Nuancenreichtum. Sie bringt Poesie hinein und läßt sich durch das zunehmende Verlorensein ihrer Eltern nicht beirren. Auch nicht durch ein plötzlich hereinbrechendes Bienensterben, daß durch Umweltgifte in Form von Pestiziden offensichtlich verursacht wurde. Hintergrund ist eine neue EU-Agrarrichtlinie.

Da kommt eine Fernsehshow gerade richtig. Da sollen einige Kandidaten aus der Region typische Agrarprodukte, Tourismus-Marketingkonzepte und kulturelle Kostproben zum Besten geben. „Land der Wunder“ heißt die Sendung, mit Monica Bellucci als etruskisch ausstaffierte Moderatorin – ein kleiner Wink der Berlusconi-Ära. Show, so blöd und kitschig sie auch sein mag – Hauptsache die Lira bzw. der Euro rollt. Immerhin, dem Gewinner des Wettbewerbs winkt eine Menge Geld, daß die vom Ruin bedrohte Familie gut gebrauchen kann. Der Vater lehnt das brüsk ab, und Gelsomina reicht die Anmeldung ein.

Es ist eben nicht einfach, zwischen Menschlichkeit, Natur, Freiheit, Kommerz, Bürokratie und Showbiz, ohne finanzielle Sicherheit, eigene Bedürfnisse auszuloten und erwachsen zu werden.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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