Ein Sommer in der Provence


Ein Sommer in der Provence - Concorde Filmverleih

Ein Sommer in der Provence – Concorde Filmverleih

Jean Reno verfügt über eine derart ausgeprägte Präsenz, daß sein aktueller Film schon deshalb sehenswert sein müßte. Denkt man ganz unbedarft. Leider hätte er in der Provence – ganz ohne Kameras – einfach nur Urlaub machen können. Das wäre vielleicht besser gewesen und hätte uns eine Menge erspart. Dennoch ist „Ein Sommer in der Provence“ ein visuell schöner Abschied vom Sommer

OT: Avis de Mistral

Frankreich 2014

Buch + Regie: Rose Bosch

Darsteller: Jean Reno, Chloé Jouannet, Hugo Dessioux, Anna Galiena, Aure Atika, Lukas Pelissier, Tom Leeb

Länge: 103 Minuten

Verleih: Concorde

Kinostart: 25. September 2014

Manche Urlaubsreise kommt überraschend und löst keinerlei Freude aus. Bei den Teenagern Léa (Chloé Jouannet) und Adrien (Hugo Dessioux) ist das so. Weit weg von Paris landen sie per TGV mit ihrer Großmutter Irène (Anna Galiena) und ihrem kleinen gehörlosen Bruder Théo (Lukas Pelissier) in der Provence. Ihre Eltern haben sich gerade getrennt und da wären die Ferien bei den Großeltern doch eine passende Lösung.

Nicht nur bei den beiden Teenagern stößt das auf Unmut, auch Großvater Paul (Jean Reno) ist entsetzt. Er kennt sie gar nicht, und dann bringen ihm die lauten, vorlauten Störenfriede seinen selbstgenügsamen Alltag durcheinander. Am liebsten spricht er sowieso mit seinen Olivenbäumen und will ansonsten seine Ruhe haben. Einen klassischen, aber klischeehaften Generationenkonflikt hat sich Autorin/Regisseurin Rose Bosch da ausgedacht. Ungezogene Großstadtjugend contra Natur verbundene Landbevölkerung, die zudem noch Störungen Im Handynetz keineswegs für eine mittelgroße Katastrophe hält. Dann der mangelhafte Welan-Empfang bei Laptops. Teufelszeug. Als ob in Städten nicht gleichfalls Mitmenschen von solchen Entwicklungen genervt sind.

Allein der kleine gehörlose Théo geht ganz unbedarft und naiv auf die neue Umgebung mitsamt grantigen Großvater zu. Er findet leicht Zugang zur Natur, die, den Gegebenheiten entsprechend, permanent lichtdurchflutet auf der Leinwand präsent ist und kann die harte Schale des biestigen Opas schließlich aufbrechen.

Seine Geschwister finden den Zugang zu ersten – schmerzhaften – Liebeserfahrungen. Da muß Jean Reno doch mal in die altvertraute Rollenkiste greifen und eine geladene Flinte herausholen, um seine Enkelin Léa aus einer mißlichen Lage zu befreien.

Man sieht, viel Streit, viele Gefahren, viele Mißverständnisse und so manche Hürden, die überwunden werden müssen. Dann endlich die Versöhnung und viel Verständnis füreinander. In diesem Film ist alles drin, was man reinpacken kann. Wenn dann noch alte Freunde Pauls plötzlich auf ihren Harleys auftauchen – die Enkel haben das via Internet/Social Media eingefädelt – und eine feucht-fröhliche Nacht mit Songs der Rock-Ära der Sixties inklusive Joints feiern, wird es ganz kitschig.

Das Schlimme ist, daß sämtliche Darsteller auf hohem Niveau spielen können, hier aber in den Niederungen der Schauspielerkunst hängen bleiben. Von Raffinesse weit und breit keine Spur. Bei der eindimensionalen Inszenierung kann man auch lange danach suchen. Allein die Tourismus-Branche kann sich freuen. Die gelungene Darstellung der sonnendurchfluteten südfranzösischen Natur mit den herrlichen Weiten der Camargue wirkt wie eine filmische Hochglanz-Marketing-Kampagne für den warmen Süden Frankreichs als nächstes Urlaubsziel. Wirken könnte das.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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