Hirngespinster


Hirngespinster - Movienet

Hirngespinster – Movienet

Da hat sich Christian Bach aber eine Regie-Arbeit für seinen ersten Langspielfilm ausgesucht. Gleich einen schweren Brocken. Eine Familie kämpft um ihren Zusammenhalt, weil der Vater an Schizophrenie leidet und zunehmend die Nachbarschaft terrorisiert. Und sein Sohn hat Angst, diese Krankheit zu „erben“. Es geht letztlich um die Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung und Ächtung. Tobias Moretti und Jonas Nay können dabei in ihren Rollen überzeugen

Deutschland 2014

Buch + Regie: Christian Bach

Darsteller: Tobias Moretti, Jonas Nay, Stephanie Japp, Hanna Plass, Ella Frey, Stefan Hunstein, Michael Kranz

Länge: 93 Minuten

Verleih: Movienet

Kinostart: 9. Oktober 2014

Die Fassade des Hauses in einer süddeutschen Kleinstadt wirkt schon wie ein moderner Bunker, Schutz bietet sie der bisher erfolgreichen Architektenfamilie aber keineswegs. Hans (Tobias Moretti), glücklich verheiratet mit Elli (Stephanie Japp) und Vater zweier Kinder, flüchtet immer öfter in sein Innerstes, um plötzlich um so heftiger unberechenbar und aggressiv auf die Außenwelt zu reagieren. Es sind schizophrene Schübe, unter der Hans leidet und mit ihm zwangsläufig seine Familie, besonders seine kleine Tochter Maja (Ella Frey) und sein Sohn Simon (Jonas Frey).

Autorenfilmer Christian Bach hat bei seinem ersten Langspielfilm auf das Familienschicksal eines Jugendfreundes zurückgegriffen und es verdichtet. Zwei starke Darsteller hat er mit Tobias Moretti und Jonas Frey gefunden, beide mit der gelungenen, intensiven Gestaltung ihrer schwierigen Figuren in einer facettenreichen Dramaturgie.

Wer hin und wieder seinen Verstand verliert, der hat wenigstens einen.“

Morettis Vaterfigur Hans Dallinger ist akribisch in seinem Architektenberuf, liebevoll zu seiner Familie, dennoch von Angst vor Bedrohungen besetzt. Alles ist bedrohlich für jemand, der unter paranoider Schizophrenie leidet. Entsprechende Medikamente hat er bereits abgesetzt, beginnt sich in seinem Arbeitszimmer zu begraben und bastelt an Modellen für einen Architektur-Wettbewerb. Kontakte außerhalb der Familie lehnt er ab, plötzlich ausbrechende Aggressionen kommen an ihre Stelle. Die Satellitenschüssel auf dem Dach der Nachbarn muß stattdessen dran glauben. Hans demoliert sie einfach und die anrückenden Handwerker attackiert er mit einer Axt. Ein Psychiatrie-Aufenthalt ist unausweichlich. Seine Frau Elli, die mit Ihrem Job bei einer Versicherung den Lebensunterhalt der Familie noch finanzieren kann, hat für die verständnislosen Anlieger etwas treffendes parat: „Wer hin und wieder seinen Verstand verliert, der hat wenigstens einen.“ Wach und klar ist Hans, trotz aller schlimmen Befindlichkeiten.

Sohn Simon kümmert sich liebevoll um seine kleine Schwester Maja, hat aber selbst Angst, nicht nur die positive Seite seines Vaters – großes Zeichentalent – sondern auch die schizophrene Seite geerbt zu haben. Er hat es noch nicht geschaftt, die kleine Stadt zu verlassen, um sich eine vielversprechende Zukunft zu suchen. Für sein Taschengeld fährt er nebenbei den Schulbus. Da kann er eben keine Fehler machen – bis er sich in die Medizinstudentin Verena (Hanna Plaß) verliebt, die im örtlichen Krankenhaus gerade ein Praktikum macht.

Christian Bach muß man zugutehalten, an einem gesellschaftlichen Tabu gerührt haben, ohne – wie früher sehr beliebt – ins monströse zu gehen. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Bemühen, diesem Krankheitsbild so gut wie möglich gerecht zu werden. Den wunderbaren Schauspielern sei Dank.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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