Plötzlich Gigolo


Plötzlich Gigolo - Concorde

Plötzlich Gigolo – Concorde

Woody Allen als Zuhälter? Diese äußerst bizarre Idee kann dem Regie-Altmeister unmöglich selbst eingefallen sein. Vielmehr stammt sie von John Turturro, der hier wieder einen eigenen Film vorlegt – als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Fioravante. Die beiden kennen sich, schätzen sich und sollen den gleichen Friseur haben. Zwei New Yorker Exentriker in einer melancholischen Liebeskomödie – der eine als Zuhälter, der andere als Gigolo wider Willen. Ob das gut gegangen ist, sollte sich das Kinopublikum ohne Hemmungen ruhig anschauen. Dann kann man ruhig im Herbst auf eine New York-Reise verzichten und dafür eine kleine, feine Meisterleistung auf der Leinwand genießen

OT: Fading Gigolo

USA 2013

Buch + Regie: John Turturro

Darsteller: John Turturro, Woody Allen, Sharon Stone, Vanessa Paradis, Liev Schreiber, Sofia Vergara, Tonya Pinkins

Länge: 90 Minuten

Verleih: Concorde

Kinostart: 6. November 2014

Die Rahmenhandlung könnte durchaus von Woody Allen stammen. Aber Dank der Vermittlung ihres gemeinsamen Friseurs, kam die Idee Turturros mit der ersten Drehbuchfassung in Allens Hände und stieß auf die Zustimmung des Altmeisters. Es wurde noch ein wenig herumgefeilt und gebastelt und die passende Jahreszeit gewählt – Herbst in Brooklyn/New York City, in sepiaähnlichen Farbtönen gehaucht, für die nostalgisch-melancholische Grundstimmung. Etwas anderes wäre auch gar nicht in Frage gekommen, ebenso der swingige Soundtrack.

Zur Story: Der alte Murray (Woody Allen) muß seinen Buchladen schließen. Zufällig läßt seine Hautärztin Dr. Parker (Sharon Stone) ihren geheimen Wunsch nach einer Ménage à trois mit ihrer besten Freundin Selima (Sofia Vergara) und einem ausgefallenen Liebhaber fallen. Da hätte er doch gleich eine Idee, meint Murray und denkt an die enormen finanziellen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben könnten. Nicht nur für ihn, der für das organisatorische – sprich Zuhälter – zuständig wäre, sondern auch für seinen Freund Fioravante (John Turturro), einem Floristen, den er seit dessen Kindertagen kennt. Hatte dieser doch in jener Zeit Murrays Buchladen überfallen.

Nun soll also Fioravante den Callboy mimen – eine merkwürdige Vorstellung, wenn man sich den schüchternen, schlaksigen Mann anschaut. Da er ebenfalls Bares braucht, läßt er sich auf diese amorös-pikanten Geschäfte ein, natürlich mit „Künstlernamen“: Virgil nennt er sich und bringt gleich eine Probe seines floristischen Könnens zum ersten Rendesvous mit der scharfen Frau Dr. Parker mit. In noblem Ambiente kommen sie sich näher. Schließlich ist die einsame Ärztin von der schwermütigen wie komischen Aura des Zufall-Gigolos äußerst angetan – vor allem von seinen geschickten Händen. Florist scheint eine gute Basis zu sein. Ein vielversprechender Beginn für die beiden Möchtegerns, vor allem für ihre Bankkonten. Murray, der sich mit dem „Künstlernamen“ Dan Bongo geschmückt hat, kann für Nachschub sorgen, so bekannt er in dem Viertel ist.

Mit Dr. Stones Freundin Selima legt Virgil einen Tango hin, der sich gewaschen hat. Einer der originellen Einfälle, die dem Film immer wieder einen neuen Kick verleihen. Auch die sportlichen Nachhilfestunden, die Murray Kindern aus der Nachbarschaft gibt, machen Eindruck. Ganz schön fit der Altmeister bei seinen Baseball-Einlagen, man sehe und staune.

Schließlich kommt die Rabbi-Witwe Avigal (Vanessa Paradis) ins Spiel, eine Frau, die nach jahrelanger Zurückgezogenheit voller Begehren, und dank Virgils charmanter Kunst, gar nicht mehr weiß, wo und wer sie ist. Leider ist da noch der eifersüchtige Nachbarpolizist Dovi (Liev Schreiber), der mit Avigal schon als Kind gespielt hat, und sich seit langem Hoffnungen macht. Schlecht für das Business-Modell, denn es keimt rundum etwas auf, was damit auch beim besten Willen nicht vereinbar ist: die Liebe.

Unterschiedliche Filmfans kommen bei dieser vergnüglichen Komödie nicht zu kurz – Romantiker, Freunde des skurrilen, feinsinnigen, jüdischen Humors, Bewunderer schöner Frauen, Nostalgiker, Jazzfans und erst recht New York-Fans. Mehr davon.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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