Paddington


Paddington - Studiocanal

Paddington – Studiocanal

Geboren als literarische Figur 1958, in 40 Sprachen bekannt, erste Zeichentrickfilme in den 70er Jahren und nun ist der kleine, knuffige Bär Paddington als Animationsfigur für einen kongenialen Schauspielerfilm zum Leben erweckt worden. Mit Erfolg – denn das fällt kaum auf. Der bärige Tollpatsch ist ein Star für kleine und große Kinder, da kann kaum jemand widerstehen

OT: Paddington

Großbritannien 2014

Buch + Regie: Paul King

Sprecher Paddington – OF: Ben Whishaw/Deutsche Fassung: Elyas M’Barek

Darsteller: Hugh Bonneville, Sally Hawkins, Nicole Kidman, Julie Walters, Peter Capaldi, Jim Broadbent, Madeleine Harris, Samuel Joslin

Länge: 95 Minuten

Verleih: Studiocanal

Kinostart: 4. Dezember 2014

Aus dem fernen, finstersten Peru kommt er. Nach einem Erdbeben schickt ihn seine Tante Lucy mit einem Köfferchen per Schiff als blinden Passagier nach London. Mit Schlapphut und Dufflecoat ausgestattet sitzt er nun im Bahnhof Paddington, einsam, mittel-, obdachlos, von den vielen Reisenden nicht wahrgenommen. Dabei hat Tante Lucy ihm doch ein kleines Schild an den Mantel befestigt, auf dem steht: „Bitte kümmert euch um diesen Bären. Danke schön.“

Ein Migrant, dessen Not den Menschen auf der Insel gleichgültig ist. Irgendwoher müßte uns das doch bekannt vorkommen.

Glücklicherweise kommt die nette Familie Brown vorbei und bietet dem Bärchen – vorübergehend zuerst – eine Bleibe an. Den Namen Paddington bekommt er von ihnen – Fundort ist schließlich der große Traditionsbahnhof in der Londoner City. Kaum zu Hause bei den Browns angekommen, bringt der Petz alles durcheinander. Tollpatschig wie er ist, säuft bald das Badezimmer ab und Paddington rauscht in der Badewanne die Treppe hinunter. Eigentlich ist das ganze Haus abgesoffen. Die Familie nimmt’s gelassen, mit britischem Humor, das Salz in der Suppe dieses Märchens. Und der pelzige Gast strahlt immer Optimismus aus.

Ein Märchen wäre aber keins, wenn da nicht noch das Böse wäre – hier in Gestalt der hinterlistigen Tierpräparatorin Millicent (Nicole Kidman), die sich in den Kopf gesetzt hat, den Bären unbedingt auszustopfen. Jetzt wird es spannend und aufregend. Ohne die Familie Brown wäre Paddington verloren, weil Millicent mit allen Wassern gewaschen ist und Paddington zu gutmütig. Hinzuzufügen ist ihre Verwandtschaft mit dem englischen Forscher, der vor Jahrzehnten Kontakte zur Bärenfamilie Paddingtons in Peru geknüpft hat. Von ihm stammt das positive England-Bild, das Paddington mitbekam auf seiner Schiffsreise nach Europa – und die Vorliebe für Orangen-Marmelade.

Optisch ist der Film der jeweiligen Situation angepaßt. Dem hellen, freundlichen Interieur des Brownschen Hauses steht die große, dunkle und unheimliche Architektur des Naturhistorischen Museums, in dem Millicent haust, gegenüber. Der Charakter von Millicent mag einem etwas klischeehaft vorkommen, das wird allerdings ausgeglichen durch die feine Abstimmung von Gefühl, britischem Humor, Charme, Pragmatismus und der Sympathie gegenüber Außenseitern. Die Figur des Bären Paddington ist technisch sehr reif und akribisch in Sachen Gestik und Mimik gestaltet und in das Geschehen eingefügt. Und die Darsteller der Familie Brown – Sally Hawkins, Hugh Bonneville und als Haushälterin Julie Walters sind preisgekrönte Mimen, die sich mit viel Gefühl und Begeisterung der Sache annehmen.

Die Abenteuer des kleinen Bären Paddington – er ist immerhin vor 56 Jahren von Michael Bond literarisch erfunden worden – sind zeitlos, und passen dennoch gerade bestens für das Kino in die Vorweihnachtszeit, als Zeit der Besinnlichkeit, falls man das noch nicht vergessen hat. Denn die zweibeinigen (realen) Immigranten mit den Koffern in der Hand, haben es heute schon schwer und werden es in Zukunft noch erheblich schwerer haben – so ganz ohne süße Knopfaugen.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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