Wo ich wohne – Ein Film für Ilse Aichinger


Wo ich wohne - Film Kino Kunst Verleih

Wo ich wohne – Film Kino Kunst Verleih

Christine Nagel beleuchtet das Leben der österreichischen Schriftstellerin Ilse Aichinger auf ungewöhnliche Weise. Ihr ist ein leiser Film mit unterschiedlichen Nuancen gelungen, der nebenbei die Bedeutung von Aichingers Werk hervorhebt. Eine Hommage in Schwarzweiß und Farbe über das Existentielle in ihren Veröffentlichungen in einem von hell und dunkel geprägten Jahrhundert

Österreich 2014

Buch + Regie: Christine Nagel

Mit Ilse Aichinger, Helga Michie

Darsteller: Verena Lercher, David Monteiro, Elfriede Irrall, Florentin Groll, Moritz Uhl

Länge: 81 Minuten

Verleih: Film Kino Text

Kinostart: 4. Dezember 2014

Der Dokumentarfilm (vielmehr halbdokumentarische Film) nutzt Aichingers Kurzgeschichte „Wo ich wohne“ von 1963 als Grundlage. Zu Beginn ihrer Schriftstellerkarriere hat sich die 1921 in Wien Geborene stark an Franz Kafka orientiert – mit dem Blick auf die Drangsalierung des Menschen durch Ängste, Zwänge, Träume und Wahnvorstellungen. Die Beziehung Traum und Realität wird von Aichinger besonders exemplarisch in dieser Kurzgeschichte betont.

Fiktive Filmszenen in schwarzweiß spielen das nach. Eine junge Frau übernimmt die Parts in diesen Szenarien. Es ist Verena Lercher. Schauplatz ist Wien, das Haus im Jugendstil. Es handelt sich um eine ständige Abwärtsbewegung. Eine Bewohnerin rutscht mit ihrer Wohnung immer weiter nach unten – bis sie eines Tages im Keller wohnt und Gitter vor den Fenstern hat.

Reflexionen auf die Lebensangst der jüdischen Familie Aichinger während der Nazi-Zeit. Mutter erhielt Berufsverbot als Ärztin. Zwillingsschwester Helga schafft es, mit einem Kindertransport nach England zu kommen. Ilse bleibt in Wien und überlebt. Sie hat sich um die Mutter gekümmert.

Zwischendurch werden als Ergänzung Fotos, Zitate und Super-8-Filmmaterial aus Ilse Aichingers Privatbesitz eingebaut. Christine Nagel fügt noch eigene Filmsequenzen aus Wien und London hinzu. So ist ein Mosaik entstanden über Zwillingsschwestern und ihr Lebensgefühl, das durch die Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts geprägt worden ist. Wer Vorkenntnisse über Leben und Werk von Ilse Aichinger und ihrer Schwester Helga Michie mitbringt, hat mehr von diesem, dennoch ungewöhnlich gemachten Film, der durch seine Schlichtheit berührt.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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