1001 Gramm


1001 Gramm - Pandora Filmverleih

1001 Gramm – Pandora Filmverleih

Der norwegische Regisseur Bent Hamer hat schon mehrfach gezeigt, wie man filmisch ein geordnetes, durchstrukturiertes Berufs- und Alltagsleben („Kitchen Stories“, „O‘ Horten“) den skurrilen Spiegel vorhält. Mit dieser Mischung aus Komik und Geist betrachtet er in seinem neuen Film „1001 Gramm“ das Leben der Physikerin Marie, die im norwegischen Eichamt arbeitet. Was macht so eine nüchtern-präzise Frau, wenn plötzlich das Chaos in ihr Leben hereinbricht?

OT: 1001 Gram

Norwegen/Frankreich/Deutschland 2014

Buch + Regie: Bent Hamer

Darsteller: Ane Dahl Torp, Laurent Stocker, Stein Winge, Hildegun Riise, Per Christian Ellefsen

Länge: 93 Minuten

Verleih: Pandora

Kinostart: 18. Dezember 2014

In Maries Leben (Ane Dahl Torp) muß alles sein exaktes Maß haben. Das ist ihr Job – für das norwegische Eichamt durch die Lande zu reisen um alle möglichen technischen Geräte, die etwas messen, zu überprüfen. Das gilt im übrigen auch für die Länge von Skisprungschanzen. Marie genießt einen guten Ruf in ihrem Metier und ist überzeugt, daß ihr Lebensumfeld damit ebenfalls im Gleichgewicht ist.

Folglich nimmt sie es fatalistisch hin, wenn ihr Ex-Mann immer wieder Möbelstücke aus der Ex-Ehewohnung holt, Das moderne Anwesen strahlt kühle Farben in Blaugrau-Tönen aus. Das kleine Elektro-Auto wirkt ebenso rein funktionalistisch.

Ihr Vater, ein weltweit anerkannter Wissenschaftler, erleidet plötzlich einen Herzinfarkt. Nun ist es Maries Aufgabe, für ihn das nationale Referenzkilogramm mit nach Paris zum Treffen des internationalen Maß- und Gewichtbüros zu nehmen. An der Zollstelle des Flughafens wird es schon langsam komisch, als die Zollbeamten dieses seltsame Gepäckstück inspizieren wollen. Das geht natürlich gar nicht.

Damit beginnt auch der Film sich zu wandeln. Die bisher kühlen Farben weichen allmählich weichen, wärmeren Farben, etwa gelb und orange. Weitere kuriose Szenen kommen. Wenn die Meß-Experten erfurchtsvoll in den geöffneten Tresor mit dem Ur-Kilo starren, oder alle mit gleichfarbigen Schirmen im Gänsemarsch durch einen Park stolzieren. Die Stimmung ändert sich, denn es taucht etwas auf, was die strenge Marie nun gar nicht erwartet hat: Gefühle. Emotionale Schwingungen in Gestalt des Gärtners Pi (Laurent Stocker), der selbst einmal als Meß-Guru tätig war. Pi hat sich jetzt der Natur und ihren Launen hingegeben und sammelt in seiner Freizeit Vogelstimmen.

Das läßt Marie ins Stolpern geraten. Sie spürt, das Leben kann noch etwas anderes bieten, mit solch einer platten Überraschung muß sie erst einmal umgehen lernen und sich drauf einlassen können. Paris ist eben nicht umsonst die „Stadt der Liebe“ – was Bent Hamer nicht plakativ und als Klischee präsentiert. Stille Komik und Klugheit hat er in seinem siebten Spielfilm melancholisch verpackt und die Darbietung stringenten Charakteren überlassen.

Ob Marie dann noch – ganz nebenbei versteht sich – über die Frage nachgedacht hat, wieviel Liebe wiegt? Sie wird es von nun an gar nicht mehr nötig haben. Davon können wir getrost ausgehen.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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