Die süße Gier


Die süße Gier - Movienet

Die süße Gier – Movienet

Finanzdrama, Thriller, Liebesgeschichte und Gesellschaftssatire – Paolo Virzi versucht unterschiedliche Sujets zu einem spannenden und und unterhaltsamen Film zu machen. Italien ganz unten und die reiche Finanzkaste ganz oben. Berlusconi läßt grüßen – Rest- Europa grüßen. Und Valeria Bruni Tedeschi erweist sich wieder mal als vielschichtige Darstellerin. Ihrer Figur kommt man wirklich nahe. Eine sehenswerte Leistung

OT: Il Capitale Umano

Italien/Frankreich 2013

Regie: Paolo Virzi

Buch: Francesco Bruni, Francesco Piccolo, Paolo Virzi, nach dem Roman „The Human Capital“ von Stephen Amidon

Darsteller: Fabrizio Bentivoglio, Fabrizio Gifuni, Valeria Bruni Tedeschi, Valeria Golino, Luigi Lo Cascio, Giovanni Anzaldo, Matilde Gioli, Guglielmo Pinelli

Länge: 109 Minuten

Verleih: Movienet

Kinostart:8. Januar 2015

Am Anfang sehen wir einen nächtlichen Verkehrsunfall. Ein Radfahrer wird überfahren und der Täter begeht Fahrerflucht. Noch ist nicht ersichtlich, was oder wer dahintersteckt. Dann der Sprung in einen anderen Handlungsstrang. Die Bergwelt Norditaliens hinter Mailand. Dort steht die Villa eines der reichsten Familien der Region Lombardei: Giovanni und Carla Bernaschi. Das Anwesen mitsamt Tennisanlage stammt aus Geldern des Investmentgeschäfts. Bernaschi ist einer der führenden Investmentfondsmanager des Landes.

Dino Ossola kommt eines Tages auf das Grundstück, ein kleiner Immobilienmakler, der seine besten Zeiten schon hinter sich hat. Nur weil seine Tochter Serena mit Bernaschis Sohn Massimiliano befreundet ist, hat er zufällig die Gelegenheit, diese Pracht zu sehen – und denkt plötzlich nur an eines: Er will auch Anteil daran haben, bietet sich auch gleich als Tennispartner an, gewinnt ein paar Sympathiepunkte und macht gleich ein Investment-Angebot. Daß er sich dabei jenseits aller Gesetze bewegt, sich überschätzt, interessiert ihn nicht. Und Bernaschi weiß es nicht.

Fabrizio Bentivoglio als gieriger Immobilienmakler Dino Ossola hat Regisseur Paolo Virzi hart an der Karikatur gezeichnet. Ossola ist schon fast eine Witzfigur, ein förmlich nach Geld und Einfluß sabbernder Schrat. Ein schmieriger Typ. Virzi hat diese Figur an stärksten überzeichnet. Fabrizio Gifuni als Giovanni Bernaschi gibt den einflußreichen Investmentmanager aalglatt, funktional-kühl und berechnend. So will man solche Leute sehen. Einzig Valeria Bruni Tedeschi veleiht ihrer Figur Carla Bernaschi eine gewisse Vielschichtigkeit. Die Mischung aus Unsicherheit, Frustration und Einsamkeit, gepaart mit dem starken Wunsch, sich in der Kultur zu engagieren, überzeugt. In diesem Fall hat sie sich vorgenommen, einem alten Theater wieder Leben einzuhauchen. Ihr Mann erklärt sich sich bereit, für Carlas „Spielwiese“ Geld zu investieren. Aus der Freude darüber, stürzt sie sich gleich in die Arbeit, spricht mit den lokalen Kulturgrößen und beginnt eine Affäre mit dem Theaterregisseur. Das geht nur solange gut, bis Giovanni Bernaschi ihr das Geld wieder abnimmt, weil er Bares braucht und an Theaters Stelle Wohnungen bauen will.

Wie es am Kapitalmarkt üblich ist, fallen auch mal wieder die Kurse und Dino Ossola landet total verschuldet auf dem harten Boden der Realität – anders formuliert, des Ruins. Zum Tennisspielen muß er sich jetzt jemand anders suchen. Seine Tochter Serena (Matilde Gioli) will das Leben auf ihre Art gestalten, löst sich von Massimiliano Bernaschi (Guglielmo Pinelli) und verliebt sich in den mittellosen Zeichner Luca Ambrosini (Giovanni Anzaldo), der wegen Drogenbesitzes im Gefängnis saß. Dabei haben die Drogen seinem Onkel gehört.

Da der Film aus drei verschiedenen Perspektiven gedreht wurde, sieht man das Geschehen aus der Sicht Dinos, Carlas und zuletzt Serenas. Nun löst sich das Wirrwarr allmählich auf. Luca hat den Wagen gefahren, der den Radfahrer zu Beginn der Handlung schwer verletzte. Massimiliano war zu betrunken und Serena wollte ihm nur helfen. Carla ist ihr Theater los, Dino seine Fondbeteiligung. Nun versucht er es mit letzter Skrupellosigkeit.

Paolo Virzi, hat die Handlung von Stephen Amidons Roman „The Human Capital“ von der US-Nord-Ostküste nach Italien verlegt, um zu zeigen, daß der Turbokapitalismus Italien zu Boden gerungen, und wie er Menschen und ihr Leben verändert hat. Er ließ es dennoch an Biß vermissen, zu gut kommen die Protagonisten weg. Nur einer – der Schwächste – muß bitter bezahlen.

Der verunglückte Radfahrer wurde von der Versicherung nach folgender Formel entschädigt: Lebenserwartung + Verdienstmöglichkeiten + emotionale Bindungen.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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