The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben


The Imitation Game - SquareOne Entertainment

The Imitation Game – SquareOne Entertainment

Erst sehr spät wurde der britische Mathematiker Alan Turing rehabilitiert (2009/2013). Er galt als einer der brilliantesten Köpfe des letzten Jahrhunderts. Sein Verdienst war es, den Enigma-Code der deutschen Wehrmacht zu entschlüsseln und dadurch den Zweiten Weltkrieg um einige Jahre zu verkürzen. Sein Pech war es, in dieser Zeit als Homosexueller zu leben. Das hat sein Leben zerstört. Bei diesem Biopic, er war schon längst fällig, glänzt Benedict Cumberbatch und beweist, daß er derzeit einer der brilliantesten britischen Schauspieler der Gegenwart ist. Was Enigma war und wie schwierig die Entschlüsselung des Nachrichtencodes, bekommt man leider nur oberflächlich mit

OT: The Imitation Game

Großbritannien 2014

Regie: Morten Tyldum

Buch: Graham Moore

Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Charles Dance, Rory Kinnear, Allen Leech

Länge: 114 Minuten

Verleih: SquareOne Entertainment

Kinostart: 22. Januar 2015

Der britische Geheimdienst MI6 sucht 1939 nach genialen Talenten zur Entschlüsselung des Enigma-Codes der deutschen Wehrmacht. Dieser Code gilt bisher als nicht entschlüsselbar, was die britischen Militärs und Geheimdienste zu größten, geheimen Anstrengungen zum Knacken dieser Chiffrierungen veranlaßte. Nur dann wären die Allierten in der Lage, den Zweiten Weltkrieg zu verkürzen.

Zu den Vorstellungsgesprächen in Bletchley Park wird auch der 27-jährige Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch) eingeladen. Er genießt in Fachkreisen einen brillianten Ruf, hat Charisma, ist aber im Umgang mit fremden Menschen äußerst schwierig, unbeholfen und kaum zugänglich. Dies muß auch der Chef der neu gebildeten Geheimabteilung Commander Alastair Denniston (Charles Dance) erfahren, der ihn zwar einstellt, aber mit Misstrauen beobachtet. Als Turing seinen Vorgesetzten als zu eigensinnig und teamuntauglich erscheint und zwischenmenschliche Probleme zunehmen, wendet sich dieser direkt an Premierminister Winston Churchill und bekommt das gewünschte Geld (100 000 Pfund) für die Entwicklung einer ganz neuen Entschlüsselungsmaschine. Die elektromechanische Turing-Maschine gilt als Vorläufer unserer heutigen Computer.

Und eine wichtige Verbündete gewinnt er noch dazu: Die hervorragende Mathematikerin Joan Clarke (Keira Knightley). Ausgerechnet ein kompliziertes Kreuzworträtsel hat sie bei ihrer Aufnahmeprüfung für das Enigma-Team am schnellsten gelöst. Joan wird Turings Verbündete und Vertraute und schließlich verloben sie sich auch. Dabei ist Turing homosexuell, weiß aber, daß in diesen düsteren und verklemmten Zeiten der Intoleranz nur dadurch gemeinsame Stärke entstehen kann. Zwei Außenseitern bietet die Verlobung einen Schutzwall.

Der nicht lange hält. Längst sind argwöhnische Spione hinter Turing her. Das ganze biographische Dilemma des Mathematikers hat der norwegische Regisseur Morten Tyldum auf drei Zeitebenen geschildert. Die Schulzeit, in der Alan Turing gemobbt wurde und nur einen Freund hatte – Christopher, der dann durch einen Unfall ums Leben kam und dessen Name die Turing-Maschine erhalten hat. Als zweite Zeitebene dient die Phase der Entschlüsselungsarbeit und als dritte seine Verhaftung 1952. Was dann geschehen ist, Turings Verurteilung – zwei Jahre Haft oder chemische Kastration – erfährt man im Nachspann. Seinen höchstwahrscheinlichen Selbstmord 1954 auch. Tyldum zeigt Turing vielmehr als Einzelgänger, linkisch, exzentrisch, fast autistisch. Das kommt der Darstellung eines genialen Erfinders und Tüftlers am nächsten. So stellt man sich gerne einen außergewöhnlichen Menschen vor, der Großes vollbringt. Dabei liegt die eigentliche Tragik Alan Turings darin, daß er auf der einen Seite maßgeblich die Nazi-Gewaltexzesse um einige Jahre verkürzt hat, andererseits aber durch gesellschaftliche und justiziable Gewalt sein eigenes Leben zu kurz gekommen ist.

Benedict Cumberbatch könnte aber für seine herausragende schauspielerische Leistung zum großen Gewinner werden – bei der diesjährigen Oscar-Verleihung.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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