Jimmy’s Hall


DVD-Tipp

Erscheinungsdatum: 20. Februar 2015

Jimmy's Hall - Pandora Film

Jimmy’s Hall – Pandora Film

Dies soll angeblich der letzte Film des 78jährigen britischen Regisseurs Ken Loach sein. Keiner weiß es genau, Loach selbst am allerwenigsten. Wie auch immer, „Jimmy’s Hall“ ist eine Geschichte aus dem Irland der 1930er Jahre und erzählt von dem engagierten Sozialisten Jimmy Gralton, der in einem kleinen Dorf eine Insel der geistigen Freiheiten schafft. Die katholische Kirche ist dagegen und versucht ihn zu vernichten – und damit ein Stück Freiheit und Glück der dortigen Menschen. Es ist also die Geschichte von Allmachtsphantasien der Kirche – die leider auch heute noch für Unglück und Zerstörung sorgt. Das gilt für alle Religionen. Bedauerlicherweise ein zeitloses Thema

Großbritannien/Irland/Frankreich 2014

Regie: Ken Loach

Buch: Paul Laverty

Darsteller: Barry Ward, Simone Kirby, Jim Norton, Aileen Henry, Francis Magee, Mikel Murfi, Martin Lucey, Seamus Hughes, Sorcha Fox, Aisling Franciosi, Brian F. O’Byrne

Länge: 109 Minuten

Verleih:Pandora Filmverleih

Ken Loach hat gewissermaßen mit seinem neuen Film eine Fortsetzung von „The Wind That Shakes the Barley“ (2006) gedreht. Irland mit all seinem Leid läßt den bekennenden Altlinken Regisseur einfach nicht los. Waren es damals die englischen Besatzungstruppen und das Trauma, das sich dadurch auf das Land legte, so sind es diesmal die Allmachtsphantasien der katholischen Kirche, die nicht nur zur Beherrschung und Lähmung führen, sondern in Kauf nehmen, Menschen auch psychisch zu ruinieren.

Jimmy’s Hall“ bildet einen kleinen Gegenpol zu dieser Macht – ein Mikrokosmos zwar, der gerade dadurch filmisch als emotionale Wucht wirkt. 1932 kehrt der Sozialist und Freidenker Jimmy Gralton, den Barry Ward mit viel Charisma darstellt, nach Irland in sein Heimatdorf zurück. Zehn Jahre zuvor hat ihn die Obrigkeit des Landes verwiesen und ihn zur Überfahrt nach New York gezwungen. Die meisten Bewohner des Ortes bedrängen ihn, das Gemeindehaus – die „Pearse-Connolly-Hall“ – wieder aufzubauen. Denn es war ein beliebtes Stück Freiraum für die von der katholischen Kirche drangsalierten Menschen, mit vielseitigen kulturellen und Bildungs-Angeboten – aber ein Dorn im Auge der erzkonservativen Moralapostel.

Jimmy Gralton kümmert sich wieder um die Bewirtschaftung des elterlichen Hofes, seine Mutter (Aileen Henry) hat schon einen Sohn verloren. Und dann ist da noch Oonagh (Simone Kirby), Jimmys frühere große Liebe, die jetzt verheiratet ist und Kinder hat. Auch sie sehnt sich wieder nach einer kleinen Oase der Freude und Lebenslust und nach Jimmy, und setzt sich gleichermaßen für das Comeback der „Pearse-Connolly-Hall“ ein. Jimmy hat ein Grammophon und Jazz-Schallplatten aus New York mitgebracht, was ihn endgültig zur Wiedereröffnung des Gemeindezentrums bewegt. So verwandelt sich das Haus in einen Tanzsaal mit Jazz-Tanz-Kursen, Literaturstunden, politischen Diskussionen, Handwerk- und Sportinitiativen. Die Kirche protokolliert mit. Dorf-Priester Sheridan läßt jeden Namen der „Hall“-Besucher aufschreiben und liest sie in seiner nächsten Messe vor.

Der Anfang vom Ende – vom zweiten Ende – der „Pearse-Connolly-Hall“. Drangsalierungen seitens der reaktionären Kräfte – Schläger der Großgrundbesitzer, Polizisten und fundamentalistische Katholiken – setzt den freiheitsliebenden Bürgern immer mehr zu. Der Dorffrieden gerät ins Wanken und eine Utopie ist zum wiederholten Mal zum Untergang verurteilt. Aber Ken Loach liebt solche Utopien, hat er schon immer geliebt, weil manches einfach im Herzen hängenbleibt. Man denke nur an die Fröhlichkeit, Ausgelassenheit und Spontaneität der Menschen, an die Gesichter, an das Stück Glück, was so schön strahlt in der grünen Umgebung, der rauhen und melancholischen Landschaft Südirlands. Loach hat das alles mit analogem Filmmaterial gedreht, er wollte es fein, original und authentisch.

Denn – die Figur Jimmy Gralton gab es wirklich. Und wer davon gehört hat, weiß was kommt. Jimmy wird wieder ausgewiesen – ohne Gerichtsurteil. Die Prozedur ist der Obrigkeit noch leichter gefallen, als beim ersten mal: Gralton ist US-amerikanischer Staatsbürger. Er muß 1933 alles zurücklassen, seine Mutter, seine Freunde, Oonagh und all seine Träume. Es ist bekannt, daß er 1945 in den USA an Magenkrebs gestorben ist. In Irland ist er nie wieder gewesen.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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