Brasserie Romantiek – Das Valentins-Menü


Brasserie Romantiek - Rendezvous Filmverleih

Brasserie Romantiek – Rendezvous Filmverleih

Ab und zu kommt von unseren belgischen Nachbarn eine kleine Filmperle rübergerollt, erschüttert zwar nicht die Welt, hat aber die Kraft, uns ein wenig zu verzaubern mit wunderbaren Schauspielern und viel Charme. „Das Valentins-Menü“ in der Brasserie Romantiek ist ein Kammerspiel zwischen Drama und Komödie, und man muß es nicht unbedingt nur am Valentinstag ansehen

OT: Brasserie Romantiek

Belgien 2013

Regie: Joel Vanhoebrouck

Buch: Jean-Claude Van Rijckeghem, Pat van Beirs

Darsteller: Filip Peeters, Koen de Bouw, Barbara Sarafian, Anemone Valcke, Axel Daeseleire, Mathijs Scheepers, Sara de Roo, Tine Embrechts

Länge: 97 Minuten

Verleih: Rendezvous Filmverleih

Kinostart: 12. Februar 2015

Wie ein Raumschiff wirkt die kleine geschlossene Welt der Brasserie Romantiek. Die Handlung spielt sich nur darin ab – bis auf einem Moment kurz vor Schluß. Pascaline (Sara de Roo) ist die Inhaberin, die ständig gegen die Spannungen mit ihrem Bruder Angelo (Axel Daeseleire), dem Küchenchef, ankämpft. Dieser möchte eine zweite Mütze von Gault&Millau bekommen und ist an diesem Abend des Valentins-Tages besonders gereizt. Und dann steht ihm auch noch seine junge Tochter ständig im Wege und seine angestellte Köchin mitsamt dem Koch sind nach seiner Auffassung einfach zu langsam.

Ein besonderes Menü soll also den Gästen am Valentins-Abend serviert werden. Und schon naht die erste Überraschung. Frank (Koen de Bouw), ein Diplomat, ist der erste Gast und schon wird es kompliziert. Denn als ehemaliger Geliebter von Pascaline bringt er ihre mühsam aufgebaute Balance ins Wanken, als er den Vorschlag macht, zusammen nach Südamerika zu fliegen – und zwar noch in dieser Nacht.

Bei anderen, langsam eintrudelnden Gästen sind die Pläne, Träume und Hoffnungen weit weniger weitreichend. Eine junge Frau leidet an Liebeskummer, vernascht darüber eine Praline nach der anderen und wird von dem Kellner, dem sie ihr Leid ausgiebig beichtet, schließlich auf der Toilette vernascht. Ob das Quickie hilft, weiß man nicht so genau.

Es tauchen noch mehr Neurotiker auf und landen vorerst in der Toilette, wie derjenige mit dem großen Bammel vor dem Blinddate. Dort vor dem Spiegel übt er mit großen Sprüchen, um sich von seiner Angst zu befreien. Fast wie ein kleiner Woody-Allen-Film im Kammerspielformat wirkt die Szenerie.

Ein Ehepaar (Filip Peeters, Barbara Sarafian) steht unbewußt vor den Trümmern ihrer Ehe. Dabei findet sie in schon lange zu großkotzig und egomanisch. Bei ihr sind ihre Desillusionen in bitteren Humor umgeschlagen.

Man könnte die Geschichte als skurriles Kaleidoskop menschlicher Befindlichkeiten bezeichnen, das ruhig und detailgenau präsentiert wird. Beim Zuschauer wird aber weder die Lust aufs Essen, noch auf die Liebe verdorben. Er hat einfach einem gut gemachten, heiter-melancholischen Abend beigewohnt.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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