Wem gehört die Stadt – Bürger in Bewegung


Wem gehört die Stadt - Film Kino Text

Wem gehört die Stadt – Film Kino Text

Wer hat mehr zu sagen in der Stadt? Bürger oder Investoren? Wo liegen die Grenzen der Demokratie? Wo die der Kommerzialisierung? Anna Ditges, Kölner Dokumentarfilmerin, hat sich als aktuelles Beispiel ein Großprojekt in Köln-Ehrenfeld ausgesucht und zwei Jahre lang die Kontroverse zwischen betroffenen Bürgern, Lokalpolitikern und Investoren beobachtet

Deutschland 2014

Buch + Regie: Anna Ditges

Mit: Hans-Werner Möllmann, Andrea Rauber, Paul Bauwens-Adenauer, Anne Luise Müller, Erol und Özgül Günes, Almut Skriver, Josef Wirges

Länge: 87 Minuten

Verleih: Film Kino Text

Kinostart: 19. Februar 2015

In Köln-Ehrenfeld hat sich eine Investoren-Gruppe als Objekt der Begierde das stillgelegte Gelände der Helios-Werke ausgeguckt. Sehr zum Mißfallen der Anwohner in – so sagt man in Köln – diesem Veedel. Geplant ist nämlich, und das ist durchaus exemplarisch gemeint, ein Einkaufszentrum auf diesem Areal. Im Gegensatz dazu haben sich inzwischen Ateliers, Einzelhandel, Werkstätten, eine Kebab-Bude, ein Club und ein Kiosk mit preiswerten Getränken dort eingerichtet. Mit dieser kleinteiligen Idylle konnten die Anwohner nach ihren Vorstellungen leben – mit ihren Mieten anscheinend auch.

Diese pittoreske Ecke soll, nach den Vorstellungen der Investoren, neben der Shopping-Mall auch exklusiven Wohnungen und Büros weichen. Das reichte den Anwohnern und sie gründeten eine Bürgerinitiative. Anna Ditges hat in ihrer Dokumentation zu den klassisch-adäquaten Mitteln gegriffen und die weitere Entwicklung reportageartig verfolgt. Sie hat alle Mitwirkenden zu Wort kommen lassen, sei es den Wortführer des Protestes, Hans-Werner Möllmann, den Bauherrn auf dem Helios-Gelände Paul Bauwens-Adenauer (Enkel von Konrad Adenauer), Anna Luise Müller, die Leiterin des Stadtplanungsamtes, Josef Wirges, Bezirksbürgermeister von Ehrenfeld sowie einige Anwohner, Handwerker und Einzelhändler.

Zwei Jahre blieb die Filmemacherin den Ereignissen auf der Spur und mußte feststellen, daß es nicht reicht, wenn dem Bezirksbürgermeister die Menschen in „seinem Veedel“ am Herzen liegen. Dafür sind Interessensunterschiede zu groß, die Einflußmöglichkeiten zu ungleich verteilt und die Bürokratie im übrigen zu starr. Und soviel Geld für eine intensive Bürgerbeteiligung ist gar nicht vorhanden, wie die Stadtverwaltung verlauten läßt.

Die Shoppingmall ist zwar irgendwann vom Tisch, dafür soll nun eine inklusive Schule auf dem Helios-Areal gebaut werden. Das Bildungsbürgertum scheint sich durchzusetzen. Die Handwerker sind übrigens schon ausgezogen.

Auch wenn der Film quasi im Alleingang von Anna Ditges realisiert worden ist, vermittelt er eine sehenswerte Reihe von lehrreichen, aktuellen Hintergründen der Stadtentwicklung und Lokalpolitik in unseren neoliberalen Zeiten.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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