Das blaue Zimmer


Das blaue Zimmer - Arsenal Filmverleih

Das blaue Zimmer – Arsenal Filmverleih

Georges Simenon liefert mit seinen Romanen abgründiges, Mathieu Amalric hervorragende Regie- und Darstellerarbeit. „Das blaue Zimmer“ ist so eine gelungene Adaption. Eine Liebesaffäre mit tödlichen Begleiterscheinungen, optisch präsentiert als Film noir voller Suspense und ungewöhnlicher Kameraeinstellungen

OT: La Chambre Bleu

Frankreich 2014

Regie: Mathieu Amalric

Buch: Stéphane Cléau, Mathieu Amalric, nach einem Roman von Georges Simenon

Darsteller: Mathieu Amalric, Stéphane Cléau, Léa Drucker, Laurent Poitrenaux, Mona Jafart, Serge Bozon, Blutch

Länge: 76 Minuten

Verleih: Arsenal Filmverleih

Kinostart: 2. April 2015

Der belgische Schriftsteller Georges Simenon ist neben seinen erfolgreichen Maigret-Romanen mit psychologisch abgründigen Erzählungen weltberühmt geworden. Vieles wurde verfilmt. Diesem Reiz erlag auch der französische Regisseur und Schauspieler Mathieu Amalric, der nie hohe Hürden in seinem Metier gescheut hat. Seine Verfilmung des „blauen Zimmers“ – mit ihm als Hauptdarsteller – kann sich sehen lassen.

Nicht nur das Format (4:3), sondern auch die Dramaturgie ist ungewöhnlich. Lange bleibt die Handlung unscharf, banal. Eine französische Kleinstadt, offenbar im Süden, ein Zimmer – blau angestrichen – in dem sich ein Liebespaar trifft (Mathieu Amalric und Stéphane Cléau, die im Leben wirklich ein Paar sind). Julien hat Familie mit einem Kind und arbeitet als erfolgreicher Landmaschinen-Vertreter. Esther ist mit dem Apotheker des Städtchens verheiratet. Eine Amour fou also, aber eine, die in einer Kleinstadt längst kein Geheimnis mehr ist.

Das heißt nicht, daß es nichts mehr aufzudecken gibt. Der Apotheker wird getötet – nicht nur der. Und Julien steht unverhofft vor dem Untersuchungsrichter und wird des Mordes beschuldigt. Die Geschichte wandelt sich zum Psychothriller. Rückblenden tauchen in das Leben und die Ehe Juliens ein, unterlegt von symphonischer Musik. Aber alles bleibt irritierend und mysteriös für den Zuschauer. Zu spüren ist vor allem, daß hier ein Mann langsam den Boden unter den Füßen verliert – psychisch anfängt zu zerbröckeln. Amalric verleiht dieser fiebrig agierenden Figur die nötige Hybris.

Sex, Erotik, Mord zerfließen zu einer verlorenen Stimmung, ohne daß Spannung jemals verlorengeht. Wir sehen, wie einem Menschen alles entgleitet, das Leben auf der Strecke bleibt und – das ist das schöne und aufregende an diesem Film – die Kamera das Schicksal dieser vielschichtigen Figuren mit unglaublichen Bildern einfängt. Bemerkenswert.

Heinz-Jürgen Rippert

Advertisements

Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s