Big Eyes


Big Eyes - Studiocanal

Big Eyes – Studiocanal

Walter Keane ist reich geworden durch die Vermarktung naiver Bilder mit übergroßen Kinderaugen. Ein Verkaufsgenie. Sogar international bekannt als Künstler, er war auch ein Vermarktungsgenie seiner selbst. Dabei hatte er die Bilder gar nicht gemalt – sondern seine Frau Margaret. Von Tim Burton inszeniertes konventionelles, satirisch gefärbtes Biopic, das vor allem durch die Leistung von Christoph Waltz und Amy Adams starke Beachtung verdient

USA/Kanada 2014

Regie: Tim Burton

Buch: Scott Alexander, Larry Karaszewski

Darsteller: Christoph Waltz, Amy Adams, Jason Schwartzman, Krysten Ritter, Danny Huston, Terence Stamp, Jan Polito

Länge: 106 Minuten

Verleih: Studiocanal

Kinostart: 23. April 2015

Die eine hat eine Unmenge von Bildern gemalt, aber nie eins verkauft – der andere nie ein Bild je zu Ende malen können. Trotzdem ist er reich geworden. Es handelt sich um Margaret und Walter Keane (Amy Adams, Christoph Waltz). Die Geschichte ist wahr.

Mitte der 50er Jahre. Die Hausfrau Margaret verläßt ihren Mann und will mit ihrer Tochter Jane in San Francisco ein neues Leben beginnen. Mit ihren Bildern, Porträts von Kindern mit übergroßen, traurigen Kulleraugen, hat sie Pech, sie kann keins verkaufen. Das Glück naht dagegen, als ihr der vermeintliche Maler Walter Keane über den Weg läuft. Sein Charme wirft sie um. Er ist einfach ein begnadeter Womanizer, bei dem schon so manche Frau schwach geworden ist. Außerdem ist der extrovertierte Großkotz äußerst eloquent und süchtig nach Dollars. Daß er auch alkoholsüchtig war, wird im Film weniger betont.

Bei Margaret wittert er die große Chance seines Lebens, überschüttet sie mit Lob und Komplimenten, und führt sie bald zum Traualtar. Die introvertierte Margaret ist froh, daß sie sich hinter jemand verstecken kann. Deshalb machte es ihr zunächst nichts aus, als Walter anfängt ihre Bilder zu vermarkten. Im Gegenteil, sie bewundert ihn sogar dafür. Und er macht aus den bisher unbeachteten naiven Gemälden bald Millionenseller. Das Geschäft läuft wie geschmiert – sogar Prominente aus Politik und Showbiz erwerben Originale. Das Perfide – Walter gibt sich von Anfang an als der Schöpfer der Werke aus. Es folgt eine eigene Galerie und, etwas ganz neues damals, die Vermarktung als Poster und Postkarten. Ein weiteres florierendes Riesengeschäft.

Es ist aus heutiger Sicht kaum zu glauben, was da geschehen ist. Ein Drama, um es ganz deutlich zu sagen. Margaret ist nicht nur ein Opfer des allgmeinen Rollenverständnisses, das überall geherrscht hat, sondern als Sklavin eines herrschsüchtigen Mannes, für den sie Tag und Nacht malen mußte. Eingeschlossen in schickem Ambiente mit Swimmingpool.

Dieses stille, unterdrückte Leiden darzustellen, ist eine Leistung von Amy Adams, die beachtlich ist. Es folgte zu Recht der Golden Globe 2015. Christoph Waltz, nun, der läßt mal so richtig die Sau raus. Ein Teufelchen in kleiner Menschengestalt. Die Facetten menschlichen Charmes bis zur absoluten Niedertracht, das kann er. Grotesk wirkt er, meist unfreiwillig. Mehr eine One-Man-Show. Amy Adams findet sich leider oft im Abseits wieder. Zu unterschiedlich die Anlage und Einordnung ihrer Rollen.

Margaret hat sich nach und nach gegen ihre traurige Rolle gewehrt und konnte sich in den 80er Jahren in einem Verleumdungsprozeß gegen ihren Mann durchsetzen und rehabilitieren. Daß sie sich scheiden ließ ist nachzuvollziehen. Sie hat dann weiter gemalt – aber die übergroßen Kulleraugen ihrer Motive (nach wie vor Kinder) sind traurig geblieben. Und keiner weiß warum.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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