Die Frau in Gold


Die Frau in Gold - SquareOne Entertainment

Die Frau in Gold – SquareOne Entertainment

Das Thema Raubkunst als (wahre) Familien- und Kunstgeschichte mit einer souverän agierenden Helen Mirren. Dieses Thema über Nazi-Verbrechen und Schicksalsbewältigung hat Simon Curtis zu einer Story um Gerechtigkeit, Integrität und das Ringen mit Justiz und Politik konzipiert. In der britisch-amerikanischen Kooproduktion sind eine Reihe deutscher Schauspieler mit Nebenrollen besetzt: Daniel Brühl, Tom Schilling, Moritz Bleibtreu, Nina Kunzendorff, Justus von Dohnányi und Ludger Pistor – eine zweifelhafte Entscheidung, sollen sie doch allesamt Österreicher verkörpern

OT: Woman in Gold

USA/Großbritannien 2015

Regie: Simon Curtis

Buch: Alexi Kaye Campbell

Darsteller: Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Katie Holmes, Charles Dance, Nina Kunzendorff, Tom Schilling, Max Irons, Moritz Bleibtreu, Ludger Pistor

Länge: 110 Minuten

Verleih: SquareOne Entertainment

Kinostart: 4. Juni 2015

Dies ist eine wahre Geschichte. Es ist die bisher spektakulärste vieler Geschichten, die von berühmten Bildern und der Zwangsenteignung jüdischer Bürger durch die Nazis handeln. Maria Altmann (Helen Mirren), eine rüstige 80jährige Dame, die ein ruhiges Leben in den USA führt, ist die Hauptfigur des Dramas. Sie konnte noch aus Österreich fliehen, während der Großteil ihrer Familie umgebracht wurde.

Maria Altmann ist nun die Erbin der Wiener Familie Bloch-Bauer, die damals mit dem wohl berühmtesten Maler des Alpenlandes, Gustav Klimt, befreundet war. Denn Klimts Gemälde „Goldene Adele“ ist das Jugendstil-Porträt von Marias Tante Adele Bloch-Bauer. Das Werk („Adele Bloch-Bauer I“) hängt im Wiener Schloss Belvedere. Österreich weigert sich, es zusammen mit anderen Klimt-Bildern herauszugeben.

Ein achtjähriger Rechtstreit folgt. Frau Altmann engagiert den jungen, idealistischen und ziemlich unerfahrenen Anwalt Randol Schoenberg (Ryan Reynolds), einen Enkel des Komponisten Arnold Schönberg, der eine junge Familie finanzieren muß und deshalb auf den äußerst hohen Wert der Kunstwerke schielt. Sein Chef allerdings (Charles Dance) hält das Unternehmen für eine Schnapsidee.

Wir sind in den 90er Jahren. In der ersten Stunde wird also der Fall abgetastet, wobei Rückblenden eingebaut sind, die bis Ende der 30er Jahre reichen und das Leben der Wiener Familie beleuchten. Die zunehmenden Schikanen und Bedrohungen durch die Nazis leiten das Ende dieser schönen, von der Kunst beeinflußten Zeit ein. In der zweiten Stunde dominiert das Justizdrama, bei dem Maria Altmann über ihren Schatten springen und mit ihrem Anwalt nach Wien fliegen muß – zum ersten Mal nach ihrer damaligen Flucht. In der Donau-Metropole läuft ihnen der Investigativ-Journalist Hubertus Cernin (Daniel Brühl) über den Weg, der seine Hilfe in Form von wertvollen Informationen anbietet. „Sehen Sie es als spezielle Form von Patriotismus“ begründet er sein Engagement. Das Finale dieses denkwürdigen Rechtstreits wird vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ausgetragen.

Brühl, einer der deutschen Darsteller von österreichischen Figuren, ist noch akzeptabel. Dagegen sind seine anderen Kollegen wie Justus von Dohnanyi als Museumsdirektor, schablonenhaft dümmlich-schleimig-böse Gestalten. Dieses pure Schwarz-Weiß-Schema ist nicht nachzuvollziehen bei diesem, ansonsten recht klug konziperten Drama von dem britischen Regisseur Simon Curtis („My Week with Marilyn“). Manchmal ist jedoch eine Schippe zuviel Pathos drin – ohne groß ins sentimentale abzugleiten. Das liegt vor allem an der Persönlichkeit Helen Mirrens. Die britische Star-Mimin haucht der Figur von Maria Altmann souverän Leben ein, trocken, manchmal schippisch und mit scharfem Witz.

Die reale Maria Altmann konnte den späten Triumpf ihres Lebens im Kino nicht mehr genießen. Sie starb 2011 94jährig in Beverly Hills, Kalifornien. Gustav Klimts „Goldene Adele“ kann man heute in Manhatten, New York bewundern. Das Werk kaufte der Unternehmer und Sohn der Kosmetik-Königin Estée Lauder, Ronald Lauder, Frau Altmann 2005 für 135 Millionen Dollar ab und stellte es in seiner, von ihm gegründeten Neuen Galerie aus.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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