Love & Mercy


Love & Mercy - Studiocanal

Love & Mercy – Studiocanal

In einer Zeit, in der Biopics von Pop- und Rockstars erfolgreich laufen, ist nun Brian Wilson von den „Beach Boys“ an der Reihe. Obwohl „Love & Mercy“ eigentlich kein richtiges Biopic ist, eher das Porträt und Psychogramm eines musikalischen Genies, aufgehängt an den entscheidenden Wendungen seines Lebens. Bill Pohlad hat dafür zwei passende Darsteller gefunden die – in zwei Handlungssträngen – die biographische Berg- und Talfahrt eines getriebenen Künstlers glaubhaft und authentisch vor Augen führen: Paul Dano und John Cusack

OT: Love & Mercy

USA 2014

Regie: Bill Pohlad

Buch: Michael A. Lerner, Oren Moverman

Darsteller: John Cusack, Paul Dano, Elizabeth Banks, Paul Giamatti, Jack Abel, Graham Rogers, Kenny Wormald

Länge: 120 Minuten

Verleih: Studiocanal

Kinostart: 11. Juni 2015

Da spürt man es wieder, das Vibrieren und Swingen. Der Sound der „Beach Boys“ aus den 60er Jahren kommt immer noch frisch und eingängig daher. Und mittendrin der Kopf der Truppe: Brian Wilson, dem Bill Pohlad mit seinem Film „Love & Mercy“ ein Denkmal gesetzt hat. Wilson, der sich immer um neue Kompositionen und Konzepte kümmerte. Zunächst mit dem kalifornischen Lebensgefühl um Surfen, Strand, Mädchen und schicke Autos, was auch als Gegenpol zur Beat-Musik der europäischen Top-Bands konzipiert war. Surfin‘ USA“, „Fun, Fun, Fun“, “Help Me, Ronda“ oder „Good Vibrations“ kamen in die Charts, waren erfolgreiche Hits. Die Band, allesamt Brüder und Cousins von Brian Wilson, profitierten von dessen unerschöpflichem Talent.

Paul Deno („Little Miss Sunshine“) spielt Wilson authentisch, verleiht ihm Charisma. Mitte der sechziger Jahre war der Höhepunkt seines Schaffens erreicht. Und dann der Absturz. Er war rastlos auf der Suche nach neuen Ideen, Inspirationen. Aber Dämonen quälten ihn, der Druck der Kommerzinteressen der Plattenfirma, seine Verwandten in der Band, die einfach so bequem weitermachen wollten und schließlich der Vater mit sadistischer Neigung. Dabei gelten die Alben „Pet Sounds“ und „Smile“, Ende der 60er Jahre als Meisterwerke.

Das ist der eine Handlungsstrang. Ein junger Musiker im Strom des Erfolgs, auf der Suche nach zeitlosem, anspruchsvollem Pop, der der Welt beweisen will, daß er ein Genie ist und sich in der Musikgeschichte entsprechend gewürdigt sehen will.

Den anderen Strang inszenierte Bill Pohlad mit John Cusack als kranken Brian Wilson in den 90er Jahren, abhängig von Medikamenten – ein Wrack, und dem skrupelosen, geldgierigen Psychotherapeuten beziehungsweise Scharlatan Dr. Eugene Landy. Paul Giamatti gibt diese Gestalt voller Zynismus und Menschenverachtung. Erschütternd die Szene, als Brian sich ein Auto anguckt, das er gerne kaufen möchte, sich dabei in die Verkäufern Melinda (Elizabeth Banks) verguckt, ihr mit einer unsicheren Geste seine Karte hinlegt und das zarte Anbandeln brüsk von Landy abgebrochen wird. Brian führt er wie ein Kind nach draußen zum Wagen. Trotzdem ist diese zarte Begegnung von Brian und Melinda der Beginn einer hoffnungsvolleren Zukunft.

Bill Pohlad hat diese beiden Handlungsstränge miteinander verschränkt, verzichtet damit wohltuend auf den chronologischen Blickwinkel, schafft dafür viel Atmosphäre und tiefe Einblicke in die Seele eines hochbegabten und getriebenen Künstlers, eines Phänomens. 

Nicht zuletzt ein kurzer Original-Ausschnitt von Brian Wilsons Solo-Comeback sorgt neben anderen Ereignissen für ein versöhnliches Ende des Dramas.

Heinz-Jürgen Rippert

Advertisements

Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s