Amy


Amy - Prokino

Amy – Prokino

In Zeiten beliebter Biopics über verstorbene Stars tut ein Dokumentarfilm ganz gut, geht er doch meistens ungeschminkter mit einer Biographie um. Asif Kabadia hat versucht, das viel zu kurze Leben der englischen Soul- und Jazz-Sängerin Amy Winehouse zu beleuchten, die als Jahrhundert-Talent aufgestiegen ist, zu sechs Grammys und 25 Millionen verkauften Tonträgern – schließlich abgestürzt im enormen Drogen- und Alkoholkonsum

Großbritannien 2015

Regie: Asif Kabadia

Länge: 90 Minuten

Verleih: Prokino

Kinostart. 16. Juli 2015

Jetzt können wir noch einmal richtig hinschauen – auf das Schicksal der Amy Winehouse, die mit 27 Jahren an Alkoholvergiftung gestorben ist. Noch einmal ein Voyeur sein, wie in den letzten Jahren der hochtalentierten Sängerin. Wir sind bekanntermaßen doch gerne Voyeure, auch wenn wir das nicht zugeben wollen. Meistens jedenfalls. Der Film ist leider in diese Richtung konzipiert.

Oder wollen wir doch etwas anderes sehen als ihr Zugrundegehen, etwas aus ihrer Kindheit? Von dem jüdischen Umfeld, in dem sie aufwuchs? Von ihrer Sozialisation als Sängerin? Besonders im Jazz, denn sie liebte Jazz.

Oder hätten uns mehr ihre Freunde interessiert? Ihre Familie?. Es gibt viele Facetten im Leben eines Menschen – auch eines jungen – die es wert sind, näher betrachtet zu werden. Wir wollen doch jemand verstehen lernen. Stattdessen grobkörnige, verwackelte Amateur-Aufnahmen vom Handy oder der Privat-Videokamera, die zusammengeschnitten wurden. Dank oder Fluch an die heutige Digitalwelt, die Aufnahmen aller Art noch aufsaugen kann. Gleich zu Anfang hört man die junge Amy – und das ist eines der berührensten Momente in der Doku – „Happy Birthday“ singen. Dieses Timbre, der Ausdruck in ihrer Stimme bleibt im Gedächtnis haften, auch wenn der Film schon längst vorbei ist. Solche Augenblicke wurden erfreulicherweise, trotz Bilderflut, nicht herausgeschnitten.

Ja, es ist schwer, mehr als nur eine reine Fleißarbeit zu leisten, aus deren Verlauf das langsame Zerbrechen eines Menschen zum wiederholten Mal zelebriert wird. Vielleicht wollte Regisseur Asif Kabadia das aber so. Trotzdem bekommen wir noch ein paar weitere Sequenzen zu Gesicht, die einen Kinobesuch lohnen. Die Verleihung der Grammys 2008 für ihr Album „Back to Black“ zum Beispiel. Ein Triumph für eine junge Künstlerin, die nie so richtig an sich geglaubt hat. Gleich fünf Trophäen bekam sie dafür, durfte aber wegen der amerikanischen Drogengesetze nicht einreisen. Ein weiterer Grammy kam noch dazu, ferner die Brit-Awards, die Amy in ihrer Heimat ehrten.

Schließlich die Duett-Aufnahme mit dem großen Jazzsänger und Entertainer Tony Bennett, den schon die ganz junge Amy Winehouse bewunderte. Das ist das große Musik-Feeling, das den Unterschied ausmacht. Eine wunderbare Zusammenarbeit, die Bennett im Rahmen einer Duett-Serie einspielte. Er hielt sie für ein ebenso großes Jazz-Talent wie Ella Fitzgerald oder Billie Holiday. Welch warmer Regen für die britische Sängerin und welch großer Moment, als sich beide nach der Aufnahme umarmten.

Es hätte ebenso ein großer Dokumentarfilm werden können.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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