Station to Station


Station to Station - NFP

Station to Station – NFP

Ein Zug fährt von der Ostküste zur Westküste der USA, 4000 Meilen vom Atlantik zum Pazifik. Kein normaler Reisezug, sondern eine Fahrt mit vielen Künstlern aus allen Bereichen. Ein Kunstaktionszug sozusagen. Organisator und Regisseur ist Multimedia-Künstler Doug Aitken. Seine ungewöhnliche Doku besteht aus 62 Kurzfilmen – Impressionen mit hochkarätigen Musikern, Tänzern und Autoren, die visuell opulent gestaltet und geschickt montiert sind

USA 2015

Regie + Konzeption: Doug Aitken

Länge: 71 Minuten

Verleih: NFP

Kinostart: 16. Juli 2015

Bedenkt man die Ausmaße des ganzen Projekts – 4000 Meilen in 24 Tagen, 10 Stops mit Konzerten, insgesamt 62 Kurzfilme a 1 Minute, die zu einem Gesamtfilm verbunden wurden – so kann nur von einem Mammut-Multimedia-Projekt sprechen. Eine konsequente Fortsetzung von Doug Aitkens Arbeiten, die bisher auf einzelne Orte begrenzt waren und oft ganze Fassaden oder Gebäude einbezogen. Außerdem kennt er jede Menge Künstler aus der jeweiligen Szene, die zu diesem neuen Gesamtkunstwerk beitragen.

Aitkens Konzept baut auf dem amerikanischen Mythos Eisenbahn, auf Überraschendes für die Augen, Groovendes oder Rockendes für die Ohren und Geistreiches für das Gemüt. Renommierte Musiker wie Jackson Browne, Mavis Staples, Cat Power, Patti Smith, Beck steigen zu oder geben Konzerte an den 10 Haltepunkten. Davon bekommen Kinobesucher aber nur kurze Momente mit – alles andere würde den Film zeitlich sprengen. Die einzelnen Film-Sequenzen dürfen nicht länger als eine Minute dauern. Weitere bekannte Teilnehmer: Fotograf William Eggleston, Schriftsteller Sasha Frere-Jones, die bildende Künstlerin Liz Glynn, die deutschen Foto- und Konzept-Künstler Thomas Demand und Christian Jankowski oder der italienische Architekt Paolo Soleri.

Der Reisezug rollt auf Strecken, die sonst gar nicht mehr befahren werden. Ganz neue Eindrücke bekommt der Reisende mit, vorbeihuschende Impressionen als mehr oder wenige aufschlußreiche Momentaufnahmen. Und das mit dem Transport- und Reisemittel der amerikanischen Pionierzeit. Diese Vielfältigkeit der Stimmungen verleiht allen Teilnehmern und Mitreisenden das Gefühl, durch verschiedene Zeiten sowie Kunst- und Musikstile zu fahren. Bahnfahren kann so entspannt sein. Der Begriff Hobos kommt einem in den Sinn – Wanderarbeiter und Heimatlose im letzten und vorletzten Jahrhundert, die auf Güterzüge aufsprangen und eine Strecke mitfuhren.

Doug Aitken hat geschickt die Einzelteile seines Films zusammenmontiert und daraus ein eigenes Kunstwerk gemacht. Ein Kaleidoskop der Impressionen, der Landschaften, Orte, der unterschiedlichsten Menschen, der Farben und der daraus resultierenden Inspirationen. Vor allem hat der Multimedia-Künstler seinem Schienen-Projekt beim Montieren einen Rhythmus verpassen können, der spannend und gut getimt anmutet. Fotografie- und Video-Fans werden schon daran ihre wahre Freude haben. Alle anderen neugierigen Kunstfreunde und kleine wie große Eisenbahn-Enthusiasten sowieso.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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Eine Antwort zu Station to Station

  1. waltaire schreibt:

    holla meister,
    herzliche Gruesse aus dem fernen Portugal.
    Deine Kritiken lesen sich auch von hier, ich meine, bei der Hitze, ganz gut !
    Auf ganz bald,
    Waltaire

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