Taxi Teheran


Taxi Teheran - Weltkino Filmverleih

Taxi Teheran – Weltkino Filmverleih

Ein ungewöhnliches Film-Projekt des iranischen Regisseurs Jafar Panahi hat den Goldenen Bären der Berlinale 2015 gewonnen: „Taxi Teheran“ . Der mit offiziellem Drehverbot belegte Filmemacher hat mit viel Phantasie sein Werk in einem Taxi gedreht. Er ist der Fahrer und befördert allerlei Verwandte und Freunde, aber auch fremde Mitbürger durch die iranische Hauptstadt

OT: Taxi

Iran 2014

Buch + Regie: Jafar Panahi

Länge: 82 Minuten

Verleih: Weltkino

Kinostart: 23. Juli 2015

Was macht ein Film-Regisseur, wenn er mit Berufsverbot belegt ist? Er „wechselt“ den Job. In diesem Fall hat sich der iranische Filmemacher Jafar Panahi in ein Taxi gesetzt, einige kleine Kameras installiert und sein neuestes Kino-Projekt gestartet, bei dem er ganz unterschiedliche Leute, Verwandte, Freunde und fremde Mitbürger durch Teheran fährt. Den fertigen Film hat er – wie schon zwei vorherige – ins Ausland geschmuggelt. Für „Taxi Teheran“ hat er den Goldenen Bären der Berlinale 2015 gewonnen.

Das mit dem Berufsverbot gilt, so darf man vermuten, nur eingeschränkt. Sonst wäre die Taxifahrt längst zu Ende oder Panahi nach den Auslandsfilmaufführungen im Knast. Sein Berufsverbot ist nach außen hin diffus – welchen Einschränkungen er nun wirklich unterworfen ist, weiß hier anscheinend kaum jemand. Es geht dem Regisseur wohl darum, mit einer gewissen Leichtigkeit Freiräume auszuloten, Leute einfach mal sprechen zu lassen, auf Pointen zu warten und das gegenwärtige Lebensgefühl in Teheran wider zu spiegeln. Um eine Anklage der Islamischen Republik Iran geht es ihm gar nicht, dafür müßte er ins Ausland. Das wird ihm aber strikt verboten.

Locker zieht Panahi sein ungewöhnliches Film-Projekt durch. Man sieht, daß er viel Freude daran hat. Und seine Fahrgäste vermitteln in ihrer Vielschichtigkeit einen kleinen Einblick in das dortige Leben.

Da steigt ein Mann in den Wagen, der sich als Film-Freak entpuppt und allerlei westliche DVDs dabei hat. Besonders haben es ihm Filme von Woody Allen und die Fernsehserie The Walking Dead angetan. Da Pahani ein ausgewiesener Filmexperte sei, würde er ihn gerne zum Kompagnon machen. Ein Motorradfahrer, der in einen Unfall verwickelt war, möchte so schnell wie möglich ins Krankenhaus. Zwei alte Frauen haben ein großes Glasgefäß mit Goldfischen dabei. Sie sind abergläubig und drängen darauf, bis 12 Uhr Mittags an einer bestimmten Quelle zu sein, sonst würden sie sterben. Ein Mann erklärt sich zum Opfer eines Raubüberfalls, der weiß, wer der Täter ist, den aber nicht bei den Behörden anzeigen will. Ein anderer Fahrgast plädiert laut für die Todesstrafe und gerät darüber in einen heftigen Streit mit einer Lehrerin. Die bittere Pointe: Er erweist sich als fieser Taschendieb und haut mit einer gestohlenen Geldbörse ab.

Zweifellos ein Highlight des Films ist der Auftritt von Panahis zehnjähriger Nichte Hana. Das altklug wirkende, aber blitzgescheite Mädchen hat schon mal ein Problem mit dem Auto ihres Onkels – zu alt, macht nichts her. Und zu spät kommt er auch noch. Als sie losgefahren sind, holt sie eine kleine Kamera hervor und erzählt von ihrem neuen Schulfilmprojekt, von dem sie nicht gerade begeistert ist. Die Schülerinnen sollen raus gehen und den Alltag filmen – mit gewissen Einschränkungen. Zentraler Punkt: Keinerlei Schwarzmalerei in den Beiträgen. Auf diese Weise bekommen wir ein Stück Kultur- und Medienpolitik des Ayatollah-Regimes vorgeführt. Ganz nebenbei.

Direkter geht bei der letzten Begegnung zu. Nasrin Sotudeh, eine bekannte Anwältin und Menschenrechtsaktivistin steigt zu. Sie war selbst – wie Jafar Panahi – jahrelang inhaftiert. Offen sprechen sie über Staatsterror und die Folgen. Aber unterkriegen lassen sie sich nicht.

Das Taxi-Roadmovie ist nun zu Ende. Wir als stumme Mitfahrer müssen jetzt auch aussteigen – um manche Eindrücke und Einsichten reicher.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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