ThuleTuvalu


ThuleTuvalu - barnsteiner-film

ThuleTuvalu – barnsteiner-film

Zwei Orte – 20 000 km voneinander entfernt. Der eine, Thule, befindet sich auf Grönland – der andere, die Insel Tuvalu, in der Südsee. Zwei Beispiele für die Folgen des Klimawandels. Das verbindet sie, und der Schweizer Regisseur Matthias von Gunten hat darüber einen Dokumentarfilm gedreht. Dabei hat er einprägsame Bilder und Statements gefunden

Schweiz/Grönland 2014

Buch + Regie Matthias von Gunten

Kamera: Pierre Mennel

Länge: 96 Minuten

Verleih: barnsteiner-film

Kinostart: 13. August 2015

Matthias von Gunten, Schweizer mit Filmstudium in München, hatte weite Wege zu seinen Drehorten zurückzulegen. Orte, die gegensätzlicher nicht sein können. Thule ist mit seinen 635 Einwohnern der größte Ort im nördlichen Grönland. Tuvalu ist eine Inselgruppe (Atolle) im Südpazifik mit etwa 10.000 Einwohnern. Der höchste Punkt liegt fünf Meter über dem Meeresspiegel. 20 000 Kilometer liegen zwischen den beiden gegensätzlichen Gebieten.

Der hochtechnisierte Bewohner eines Industriestaates wird die exemplarische Bedeutung der beiden ausgesuchten Drehorte vielleicht nicht ganz nachvollziehen können. Da leben doch nur wenig Menschen – und dann so weit weg.

Das versucht von Gunten durch ein geduldiges, präzises Beobachten und Hinhören zu konterkarieren. Auf eigene Kommentare verzichtet er völlig. Allem voran stehen die grandiosen Landschaftsaufnahmen des Züricher Kameramanns Pierre Mennel, der die richtigen Bilder gefunden hat. Endlose Eis und Wassereindrücke und darauf ein paar Einheimische (Inuit), die von der Jagd leben. Gejagt werden vor allem Robben und Narwale. Für letztere haben sie eine Sondergenehmigung als indigenes Volk. Sie wissen seit vielen Generationen, wie man schonend mit der Natur umgeht. Aber wie lange noch? Mit Hundeschlitten fahren sie über das Eis. Das was sie fangen, reicht für die wenigen Familien und die Hunde. Das Meer bietet ihnen die Lebensgrundlagen und das Eis die natürliche Infrastruktur für die Jagd. Die Tragik dabei: Es wird immer dünner und die Zeiträume der Eisschmelze verändern sich. Die Jäger müssen stetig mehr Geduld aufbringen bis die Eisdecke sich geschlossen hat. Prognosen besagen, daß beim vollständigen Abschmelzen des grönländischen Festlandeises der Meeresspiegel weltweit um etwa sieben Meter steigen wird. In der arktischen Region schmilzt das Eis übrigens schneller als in der Antarktis.

Daß das Wasser der Ozeane steigt, spüren vehement die Menschen vieler Südsee-Inseln. So auch die Bewohner von Tuvalu, die schon jetzt mit einem Ansteigen des Meeresspiegels von 19 cm leben müssen. Sogenannte King Tides, hohe Fluten, die man dort bisher nur vom Februar kannte, treten zunehmend ganzjährig auf und setzen die Inseln vollkommen unter Wasser. Es gibt keinen Schutz. Uferzonen werden unterspült, Palmen kippen um. Süßwasserreservoire im Innern einiger Inseln versalzen immer stärker. Nutzpflanzenanbau wird dort langsam unmöglich. Einige Bewohner erzählen dies ruhig, aber voller Trauer. Sie wissen, sie werden ihrem Schicksal wohl kaum entgehen können. Denn die Konsequenz für ein Überleben bedeutet Auswanderung, nach Neuseeland zum Beispiel. Einige Insulaner haben schon von dieser Alternative Gebrauch gemacht – mit dem Preis, ihre kulturellen Grundlagen zu zerstören. Allerdings wird diese Alternative die höchstwahrscheinlich einzige bleiben. Trinkwasser in Behältern wird schon jetzt aus Neuseeland geliefert.

Dieses unprätentiös geschilderte und gezeigte beginnende Drama ist die Folge von 100 Jahren Industrialisierung in Teilen der übrigen Welt. An den Rändern ist es zu erst spürbar, der Rest folgt nach und nach. Insofern ist „ThuleTuvalu“ ein wichtiger Film. Er mag manchem zu ruhig sein. Er wird einige Menschen erreichen, für Schulklassen ist er empfehlenswert, ob er Politiker und andere Mächtige erreicht, bleibt fraglich, ist aber trotzdem zu hoffen. Es bleibt uns auch gar nichts anderes übrig.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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