Coconut Hero


Coconut Hero - Majestic Filmverleih

Coconut Hero – Majestic Filmverleih

Die deutsch-kanadische Co-Produktion „Coconut Hero“ von Florian Gossen erweist sich als eine gelungene Tragikomödie vollen rabenschwarzen Humors über einen Jungen in der kanadischen Provinz, der allmählich Freude am Leben finden kann. Ein Film vom Ende der Welt, lakonisch, radikal, voller Verlorenheit und Biß und letztlich liebenswerten Außenseitern. Der eine heißt sogar Mike Tyson – hat aber mit dem Boxer nichts zu tun oder am Hut

Deutschland/Kanada 2015

Regie: Florian Gossen

Buch: Elena von Saucken

Darsteller: Alex Ozerov, Bea Santos, Krista Bridges, Sebastian Schipper, Jim Annan, R.D. Reid, Udo Kier

Länge: 97 Minuten

Verleih: Majestic

Kinostart: 13. August 2015

Mit Mike Tyson hat er (Alex Ozerov) wirklich nichts gemein – zu schmächtig, zu blaß ist er, und Boxen mag er auch nicht. Er heißt nur so. Freunde hat er keine – zu sehr wird er in der Schule wegen seines Namens gehänselt. Seine Mutter (Krista Bridges) gängelt ihn ständig und von seinem Vater (Sebastian Schipper) hat er lange nichts mehr gehört.

Stattdessen hat der Vater sein Gewehr dagelassen. Ein willkommenes Hilfsmittel um sich umzubringen. Das hat Mike schon länger vor – in diesem einsamen Kaff im Nirgendwo der kanadischen Provinz. Seine eigene Todesanzeige hat er schon aufgegeben. Für alle Fälle.

Aber es kommt ganz anders. In der Waffe sind nur Platzpatronen. Pech. Im Krankenhaus wird er untersucht – mit einer gänzlich anderen Diagnose: Gehirntumor. Mike hat nun mehr oder weniger Grund zur Freude und lehnt eine Operation ab. Seine Gebete in der Kirche sind also doch erhört worden. Und mit entsprechend guter Laune fährt der Junge auf dem Fahrrad durch das kleine, sterbende Städtchen.

Makaber. Ja, und trotzdem voll leisem, melancholischem Charme. Da ist der Psychiater, mit abseitigem Feingefühl von Udo Kier dargestellt. Oder Sebastian Schipper, der Mikes Vater, deutschstämmig, schweigsam, mit einer gewissen Familienfremdheit ausstattet. Und dann Bea Santos, die Miranda gibt, Mikes zugeteilte hübsche, sanftmütige Bewegungstherapeutin. Da geschieht etwas mit ihm, aber wendungsreich wie der Film ist, bittet er sie anfangs, ihm doch Holzbretter auf ihrem Pick-up nach Hause zu fahren. Er will sich nämlich seinen eigenen Sarg zimmern – nach diversem Probeliegen bei einem Bestattungsunternehmen.

Mike, den Alex Ozerov mit entwaffnender Mimik spielt (eine Entdeckung), nimmt langsam etwas wahr, das mit Lebensfreude zu tun hat. Aber so einfach macht sich das Autoren- und Regie-Gespann Florian Gossen und Elena von Saucken nicht (erste gemeinesame Arbeit: „Das Lied in mir“ in Argentinien). Sie lassen Anzeichen von Gefühlen durch immer neue, überraschende Wendungen sukzessive in das Geschehen eintröpfeln. Das trägt zum mitreißenden Plot bei. Zum Schluß sehen wir noch eine Wendung, mit der wir gar nicht gerechnet haben.

Um es deutlich zu sagen. Es handelt sich hier um eine kleine deutsche Produktion, die allerdings die Weite und das Unkonventionelle Kanadas atmen darf. Ähnlich wie bei ihrer ersten Arbeit in Argentinien trägt das zu einem erfrischenden Ergebnis bei. Hier darf und kann nun mal freier geatmet werden. Deutsche Fernsehgremien sind eben weit weg.

Heinz-Jürgen Rippert

Advertisements

Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s