Learning to Drive – Fahrstunden fürs Leben


Learning to Drive - Alamode Filmverleih

Learning to Drive – Alamode Filmverleih

Dieser neue Film von Isabel Coixet benutzt Fahrstunden als Metapher für den Austausch von Lebensweisheiten. Fahrschülerin und Fahrer befinden sich in einer Lebenskrise, kommen sich näher, können sich über kulturelle Grenzen hinweg gegenseitig helfen. Eine nuancenreiche, kleine und feine Komödie mit Ben Kinsley und Patricia Clarkson

OT: Learning to Drive

USA 2014

Regie: Isabel Coixet

Buch: Sarah Kernochan

Darsteller: Ben Kinsley, Patricia Clarkson, Grace Gummer, Jake Weber, Samantha Bee

Länge: 90 Minuten

Verleih: Alamode

Kinostart: 6. August 2015

Was macht man, wenn man plötzlich ohne Ehepartner dasteht und kein Auto hat, noch nicht mal einen Führerschein? Man fängt an zu üben. Um die New Yorker Literatur-Kritikerin Wendy Shields (Patricia Clarkson) geht es. Ihr Mann hat sie gerade wegen (was sonst) einer Jüngeren verlassen. Nun will Wendy ihre Tochter besuchen, die in Vermont lebt. Das geht nur mit Führerschein.

Ein Fahrlehrer wäre schon da, wenn man ihn freundlich bittet. Sie bittet, und zwar den hilfsbereiten, aber stocksteif auftretenden Taxifahrer Darwan Singh, einen indischen Einwanderer, ein Sikh, der tagsüber Fahrstunden gibt und nachts eben Taxi fährt.

Zwei grundverschiedene Typen, mit Unsicherheit und Zweifel auf Wendys Seite und stoischer Gelassenheit auf Darwans Seite, von Ben Kinsley, dem immer wieder gerne gesehenen „Inder“ seit „Ghandi“, verkörpert. Patricia Clarkson, die Independent-Queen des amerikanischen Kinos, hat meistens mit widersprüchlichen Rollen geglänzt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Mit Charme startet sie nicht in die Geschichte, zu fahrig, nervös, zu nervig und überkultiviert erscheint sie auf der Leinwand.

Darwan übernimmt den Fahrunterricht und bringt seiner Schülerin bei, das Steuer fest in den Händen zu halten, genau hinzuschauen, rechtzeitig abzubiegen und sich sicher durch das Verkehrswirrwarr New Yorks zu schlängeln. Sie unterhalten sich über das Leben, über verschiedene Lebensmodelle, über Hoffnungen und Ziele. Der Inder erweist sich als kleiner Philosoph, der ebenfalls seine Probleme hat, wie die baldige, arrangierte Hochzeit mit einer Frau, die er noch gar nicht kennt. Langsam entwickelt sich ein gewisser Charme über allem.

Die spanische, in New York lebende Regisseurin Isabel Coixet hat einen angenehmen, feinen Film gedreht, subtil, mit leisem Humor, zarten Zwischentönen und vielen kleinen Gesten. Da paßt alles gut zusammen und macht Spaß. Ein unaufgeregtes Vergnügen voller Lebensnähe. Und Wendy mag man schließlich doch – ein wenig mehr.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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