Boy 7


Boy 7 - Koch Media

Boy 7 – Koch Media

Jugendliche, die in irgendeiner Weise mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, dafür aber besondere Fähigkeiten vorweisen, werden in eine obskure Resozialisierungsanstalt eingeliefert. Dort drohen sie Opfer krimineller Machenschaften zu werden. Ein deutscher Science-Fiction-Thriller mit David Kross, Emilia Schüle, Jens Harzer, Jörg Hartmann, nach dem gleichnamigen niederländischen Jugendbuch-Bestseller von Mirjam Mous

Deutschland 2015

Regie: Özgür Yildrim

Buch: Philip Delmaar, Marco van Geffen, Özgür Yildrim

Darsteller: David Kross, Emilia Schüle, Jörg Hartmann, Jens Harzer, Ben Münchow, Buddy Ogün

Länge: 108 Minuten

Verleih: Koch Media

Kinostart: 20. August 2015

Sam war Hacker, nur kann er sich daran nicht mehr erinnern, als er in einem finsteren U-Bahn-Tunnel aufwacht. Alles um ihn herum ist dunkel – in seinem Gehirn ebenso. Erst nachdem er auf Umwegen, in der Toilette eines Szene-Diner-Lokals (Hamburger Studenten kennen es sicher) ein Tagebuch findet, kommt allmählich Licht in die Sache. Die Notizen stammen nämlich von ihm selbst.

Demnach ist er nach einer Hackerstraftat in der Schule per Gerichtsurteil in eine obskure Resozialisierungsanstalt überwiesen worden. „Kooperative X“ wird wie ein Elite-Internat geführt, die Insassen erhalten Nummern, Sam ist von da an Boy 7, eine Art Uniform, und dürfen nachts ihre Zimmer nicht verlassen. Die sind elektronisch verschlossen. Alles wirkt ziemlich futuristisch, und Direktor Fredersen (Jörg Hartmann) verspricht den jungen Insassen, sie nach ihren individuellen Fähigkeiten zu fördern, um später in wichtigen Wirtschaftszweigen Karriere machen zu können.

Tagsüber mutet dagegen vieles militärisch an – Drill steht im Vordergrund. Dazu Kurse in Computerhandhabung und -technik. Sam – und natürlich der Zuschauer – spürt von Anfang an, daß da etwas faul ist. Merkwürdige Vorkommnisse, gar ominöse Todesfälle begleiten das tägliche Procedere in der Besserungsanstalt, die langsam ein faschistoides Erscheinungsbild erkennen läßt. In welchem gesellschaftlichen und politischen Kontext sich die Handlung abspielt, ist leider nicht erkennbar. Das Thema hängt deswegen irgendwo in der Luft.

Vieles ist leicht vorhersehbar, wer gut, wer böse ist, wohin diese „Resozialisierung“ führen soll. Drakonische Strafen sprechen eine deutliche Sprache. Der Böse in diesem System heißt Isaak, exaltiert gespielt von Jens Harzer, und zugleich das Highlight in der Darstellerriege. Man spürt förmlich, wie ihm das Dämonische Spaß macht, und so wirkt seine Gestik manchmal übertrieben. Genau das ist aber das Spannende, das Treibende der Geschichte, die im übrigen zu glatt, zu mechanisch abläuft, bis auf wenige Momente. Was die Inszenierung von Özgür Yildrim („Chico“) visuell in Ansätzen interessant hinbekommt, ist die düstere Bildsprache und extreme Kameraeinstellungen, was an frühe deutsche expressionistische Filme erinnert.

Es ist eben nicht leicht, für Genre-Filme in Deutschland, ob Thriller oder SciFi-Thriller, entsprechend eigene, schlüssige Ausdrucksformen und fesselnde Dramaturgien zu finden.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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