Das Märchen der Märchen


Das Märchen der Märchen Einen Märchenfilm für Erwachsene hat Matteo Garrone („Gomorrah“) nun realisiert: „Das Märchen der Märchen“, drei Geschichten aus Giambattista Basiles „Das Pentameron“, die von dem Barockdichter im 17. Jahrhundert zusammengetragen und verfaßt wurden. Groteske Geschichten über Gier und Maßlosigkeit, Körperkult und Selbstgefälligkeit, Macht und Ohnmacht. Eine internationale, erstklassige Darstellerriege stand dem Regisseur dafür zur Verfügung: Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones

OT: Il Racconto die Racconti
Italien/Frankreich/Großbritannien 2015
Regie: Matteo Garrone
Buch: Matteo Garrone, Eduardo Albinati, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso
Darsteller: Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Tobi Jones, Shirley Henderson, Hayley Carmichael, Stacy Martin, Alba Rohrwacher
Länge: 133 Minuten
Verleih: Concorde Filmverleih
Kinostart: 27. August 2015

Es war für Matteo Garrone ein weiter Weg von seinem Mafia-Drama „Gomorrah“ bis zur Verfilmung von Märchen aus dem Italien des 17. Jahrhunderts. Aber nur scheinbar, sind die fanastischen Geschichten eines Giambattista Basile doch gar nicht so weit weg von unserer Zeit der gnadenlosen Habgier und des Jugenwahns. Sodann haben die Gebrüder Grimm rund 100 Jahre später aus dem „Pentameron“ (Fünftagewerk) des italienischen Barockdichters einiges entnommen. Wir kommen hier also manchen Urschöpfungen der europäischen Märchenkultur ein Stück näher. Vieles hat eben einen tiefen Ursprung und ist auf phantastische Weise ein Stück zeitlos.

Garrone hat hauptsächlich drei Teile des Pentameron verknüpft: Die Geschichten dreier Könige, deren Reiche nebeneinander liegen. Da ist das kinderlose Königspaar, das sich so sehr Nachwuchs wünscht. Dargestellt von John C. Reilly und Salma Hayek. Wenn der Gatte, so der der königliche Wahrsager, einem Seeungeheuer das Herz entreißen kann, das die Königin dann essen muß, gekocht von einer Jungfrau, wird der Kinderwunsch erfüllt. Gesagt getan. Der König steigt in einen vorsintflutlichen Taucheranzug, dann ins Wasser, findet ein schlafendes Ungeheuer und tötet es. Das Tier kann einem schon fast leid tun, der König aber auch. Er verliert bei der Aktion das Leben. Seine Frau macht sich dann über das Riesenherz her. Welch ein Bild. Die depressive Königin, die an dem riesigen Fleischklumpen herumnagt. Sie bekommt den ersehnten Nachwuchs, die jungfräuliche Magd aber auch.

Der nächste König, von Toby Jones gespielt, hat eine große Vorliebe: Insekten. Vor allem ein Floh hat es ihm angetan. Der wird von dem kleinwüchsigen Kleintierfreund groß aufgepäppelt. Sehr groß. Es gibt nichts schöneres für ihn als dieses Vieh. Daß er auch eine Tochter hat, vergißt er dagegen immer wieder. Sie möchte aber unbedingt heiraten. Nun stirbt der Riesenfloh und Pappi hat eine Idee: Derjenige Mann, der weiß, von welchem Tier das aufgespannte Fell stammt, kann das Töchterchen mitnehmen. Nur einer weiß es: Ein Oger ausgerechnet. Das Monster schleppt die kleine Verängstigte in die Berge.

Dann lebt in der Nachbarschaft der dritte König mit Vincent Cassel als sex- und liebestaumelnder Frauenheld. Zwei alte Jungfern halten sich vor ihm versteckt, was seine Neugierde und sein Verlangen nur noch steigert. Das mit dem bösen Erwachen des Lust-Königs braucht man eigentlich nicht näher zu erläutern.
All diese teilweise grotesken Handlungsstränge hat Garrone unauffällig miteinander verwoben – mit der nötigen Distanz. Dadurch ist alles andere als Kitsch entstanden, bei dieser in Englisch gedrehten Fassung. Magie, Poesie und Realismus halten sich da geschickt im Gleichgewicht.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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