Die Königin der Wüste


Die Königin der Wüste - Pandora

Die Königin der Wüste – Pandora

Werner Herzog auf den Spuren von David Lean. In Anlehnung an Leans Großepos „Lawrence von Arabien“ hat Werner Herzog das Leben der britischen Orient-Kennerin und Forscherin Gertrude Bell in Szene gesetzt und ihr ein Denkmal geschaffen. Für Nicole Kidman gleich mit. Aber das mit dem Denkmal ist so eine Sache

OT: Queen of the Desert
USA/Marokkko 2015
Buch + Regie: Werner Herzog
Darsteller: Nicole Kidman, James Franco, Robert Pattinson, Damian Lewis, Jenny Agutter, Holly Earl
Länge: 128 Minuten
Verleih: Prokino
Kinostart: 3. September 2015

Schade, daß Herzogs Vorbild bei seinem neuesten Film (nach sechs Jahren), der monumentale Lawrence von David Lean, nur äußerst schwer zu erreichen ist. Natürlich hätte Gertrude Bell auch ein Denkmal verdient, ist doch ihre Persönlichkeit im auslaufenden viktorianischen Zeitalter außergewöhnlich. Eine junge Frau der Oberschicht, die aus den gesellschaftlichen Konventionen entweichen will, den Status einer verheirateten Lady ablehnt und sich lieber mit der Kultur, Sprache und Geschichte des Orients befaßt, entsprechend lieber auf einem Kamel durch die Wüste reitet, als in Ascot einem Pferderennen zuzuschauen.

Werner Herzog hat eigentlich genügend Erfahrung im Schildern exentrischer Biographien. Hier hat er sich, warum auch immer, eine für dieses Genre unpassende Darstellerin ausgesucht, beziehungsweise ihrer eigenen Selbstdarstellung bewundert zugeschaut. Nicole Kidman bei Upper-Class-Partys, in diplomatischer Gesellschaft, in Gesellschaft arabischer Würdenträger, auf dem Kamel in der Wüste, beim Traditions-Dinner mit Scheichs, in Gesellschaft von Militärs und Politikern. Nicole Kidman wie schon oft gesehen, unnahbar, nach außen total abgeriegelt mit kaum wahrnehmbarer Mimik.

Am Schluß des Films wissen wir immer noch nicht, wer diese Frau eigentlich war. Natürlich ist Nicole Kidman eine schöne Frau. Aber um das wahrzunehmen, muß man sie nicht in Wüste schicken. Make-up-Probleme gab es anscheinend ebenso wenig. Ein Sandsturm würde jeden Reisenden zeichnen – nicht so eine Nicole Kidman.

Dann Gertrude Bells Rolle in der internationalen Politik. Sie wurde nach dem ersten Weltkrieg Beraterin der britischen Regierung und war entscheidend an der Neuaufteilung des nahen und mittleren Ostens beteiligt. Davon sind auch nur ansatzweise Einblicke zu sehen, und damit äußerst spärlich die Bedeutung Bells für die Geschichte und deren weiterer Verlauf und Einfluß gezeigt. Siehe die aktuelle Situation des Orients als permanentes Spannungsgebiet.

Schade, aber wenigstens gibt es einige schöne Landschaftsaufnahmen zu sehen. Zumindest sind sie betörend.

Heinz-Jürgen Rippert

Übrigens, Werner Herzog wird am 5. September 73 Jahre alt.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH !

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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Eine Antwort zu Die Königin der Wüste

  1. franziska-t schreibt:

    Mir ging es genauso. QUEEN OF THE DESERT hätte wirklich besser sein können. Und was Robert Pattinson in diesem Film gemacht hat, ist mir äußerst schleierhaft. Kein stimmiger Film.

    Hier meine Review: https://filmkompass.wordpress.com/2015/08/30/queen-of-the-desert-omu-2015/

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