45 Years


45 Years - Piffl Medien

45 Years – Piffl Medien

Nun ist das Drama, dessen Hauptdarsteller bei der diesjährigen Berlinale ausgezeichnet wurden, endlich im Kino zu sehen: „45 Years“ mit Charlotte Rampling und Tom Courtenay. Eine Meisterleistung der beiden britischen Top-Schauspieler, die ein Ehepaar geben, das nach 45 Jahren über ihre Beziehung und ihr Leben neu nachdenken muß. Die Vergangenheit holt sie ein – durch eine kurze Nachricht, und die Welt sieht nach den Jahrzehnten anders aus. Ein stiller, berührender und gefühlsmäßig packender Film

Großbritannien 2015
Buch + Regie: Andrew Haigh
Darsteller: Charlotte Rampling, Tom Courtenay, Geraldine James, Richard Cunningham, Dolly Wells, David Sibley
Länge: 93 Minuten
Verleih: Piffl Medien
Kinostart: 10. September 2015

Kate und Geoff stehen vor ihrer großen Jubiläumsfeier. 45 Jahre sind sie nun verheiratet und alles will sorgfältig geplant und vorbereitet sein. Das Ehepaar hat sich auf dem Lande behaglich eingerichtet und bisher so manchen Stürmen widerstanden.

In die Vorfreude auf das anstehende Fest bohrt sich plötzlich ein Stachel in Form einer kurzen Mitteilung, die Geoff erhält. Darin wird im aus der Schweiz gechrieben, daß seine Jugendliebe gefunden wurde, in einer Gletscherspalte, vom Eis endlich befreit. Das Unglück ist fünfzig Jahre her und wühlt Geoff doch unerwartet auf. Der Ehemann entgleist allmählich und treibt immer mehr aus dem Fahrwasser. Kate spürt Eifersuchts-Gefühle und Ängste, die sie zu überspielen versucht.

Diese Vorgänge kann man als subtiles Schälen einer Frucht bezeichnen. Ganz sukzessive bilden sich Löcher in der seelischen Schutzschicht und lassen Gift in die Empfindungen der Eheleute fließen. Und da beginnt die große Schauspielkunst von Charlotte Rampling und Tom Courtenay. Sie spielen sich Stück für Stück an den Kern ihres eigenen psychischen Schlamassels. Scheibchen für Scheibchen – mit einer feinen, nuancenreichen Mimik und Gestik. Geoff wühlt sich auf dem Dachboden durch seine Erinnerungsfotos
und beginnt wieder zu rauchen. Kate geht viel mit dem Hund heraus in die Weite von Norfolks Landschaft oder fährt mit einer Freundin in den nächsten Ort, um einzukaufen und das Fest trotzdem weiter vorzubereiten. Trotz aller Aktivitäten schwebt die Angst über ihr mit der bangen Frage, was sie eigentlich für ihren Mann nun sei: Ersatz oder nicht?

Der Gedanke breitet sich diffus in ihr aus – wie eine Art Krebsgeschwür. Geoff dagegen kapselt sich immer mehr ab, auch vor gemeinsamen Freunden. Vieles wird nicht ausgesprochen. Es ist ja nichts Spektakuläres, was sich zwischen den Beiden abspielt. Es ist der Alltag eines Ehepaares, das sich lange zu kennen glaubt, aber doch nicht genug kennt. Es ist etwas Nomales. Und man sieht, das kann so berührend und packend sein.

Alleine die Mimik bei dem Jubiläumsfest – innerlich aus dem Gleichgewicht – aber nach außen beherrscht, erzählt so viel, wie es Worte gar nicht ausdrücken können. Es sei noch einmal wiederholt: Hier wird große Schauspielkunst zelebriert.

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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