Drei wichtige Filme von Andreas Dresen jetzt auf DVD


Andreas Dresen, mit DDR-Biographie, ist bekannt geworden durch seine Filme, die in der Wende- und Nachwendezeit spielen. Ihm gelang es stets, authentische Figuren ins Bild zu stellen und die Hoffnungen wie Wirkungen des Mauerfalls zu skizzieren. Lebensumstände voller Realitätsnähe. Er hat sich damit als Meister des Sozialfilms mit Witz und Unverblümtheit erwiesen.

Seine Karriere begann 1984 als Tontechniker am Schweriner Theater. Dann folgte 1986 bis 1992 ein Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam. Danach realisierte er gleich seinen ersten Film „Stilles Land“.

DVD/Blu-Ray-Tipps:

Nachtgestalten (1998) – Neuauflage

Nachtgestalten - Pandora

Nachtgestalten – Pandora

Episodenfilm, in dem sich die Wege mehrerer Menschen in Berlin kreuzen, die nicht gerade auf der sonnigen Seite leben. Allen ist gemein, daß sie sich nach etwas Wärme, Liebe und ein wenig Glück sehnen.

Ein junges Obdachlosenpärchen, das in den unverhofften Besitz eines Hundertmarkscheins kommt. Der junge Landarbeiter, der auf der Suche nach einem aufregendem Sexabenteuer in die Hände einer süchtigen Kinderprostituierten gerät und ausgeraubt wird. Und schließlich ein genervter Geschäftsmann, der auf dem Flughafen Tegel auf eine japanische Geschäftspartnerin wartet , die nicht kommt, dann in seinem Gestresstsein die Brieftasche verlegt und die Schuld einem kleinen angolanischen Flüchtlingsjungen zuschiebt, der eigentlich auf einen Freund der Familie wartet. Das Treffen kommt nicht zustande, weil dieser Freund in einen Autounfall verwickelt ist. Jetzt kommt dem Geschäftsmann das schlechte Gewissen hoch und er beschließt, mit dem Kind dessen Familie zu suchen. Eine Odyssee durch Berlin beginnt.

Zu allem Überfluß ist auch noch der Papst zu einem Staatsbesuch in der Hauptstadt. Das erschwert den Beteiligten das Erreichen ihrer Ziele mehr, als daß es Erleichterung bringt.
Aufgeben tun sie allerdings nicht.

Mit Michael Gwisdek, Susanne Bormann, Meriam Abbas, Dominique Horwitz, Axel Prahl

Technische Details:

Länge: 99 Minuten
Bildformat: 16:9 – 1.77:1
Audioformat: Deutsch ( Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital)
Extras: Audiokommentar von Andreas Dresen, Making Of „Die Glücksucher“

Auf halber Treppe (2002) – Neuauflage

Halbe Treppe - Pandora

Halbe Treppe – Pandora

Zwei befreundete Paare fristen ihr Dasein in Frankfurt/Oder an der polnischen Grenze. Sie haben sich festgefahren. Dazu passen die verschneiten Bilder. Die Hälfte der Treppe ist erreicht und keiner weiß, wie es weitergeht. Einer arbeitet hoch oben in einem Turm als Moderator eines Privathörfunksenders und beglückt täglich die Zuhörer mit dem ‚Schlachtruf‘ „Dauerpower vom Powertower“.

Mit liebevollem Blick beobachtet Andreas Dresen die Sorgen und Irrungen der kleinen Leute. Der Film basiert nicht auf einem Drehbuch. Alles wurde improvisiert und ergab sich aus der laufenden Handlung, einer gewissen Versuchsanordnung, bei der die Karten stets neu gemischt werden.

Zwei Figuren entschließen sich, aus dem Dilemma zu entkommen, in dem sie ihr Heil im Fremdgehen suchen. Einer flippt verständlicherweise aus und verkriecht sich in seine Würstenchenbude, die unter einem Zeltdach untergebracht ist. Es ist die Sprachlosigkeit, die alle Beteiligten noch tiefer in den Strudel der Wirrungen zieht. Irgendeinen Ausweg wird es ja wohl geben. Tristesse, Kälte, Schnee – vereiste Alltagsrituale und damit Seelenzustände erschweren natürlich dieses Unterfangen. In den Figuren steckt dagegen genug Pfiffigkeit, um nicht aufzugeben, ihr Leben wieder in ein erträgliches Lot zu bringen.

Die Darsteller, Steffi Kühnert, Thorsten Merten, Gabriela Maria Schmiede und Axel Prahl sind engagiert und spielfreudig bei der Sache. Sie tragen die Handlung mit viel Gespür für Nuancen und einer Prise trockenen Humors. Menschen aus Fleisch und Blut, die den Film wirklich berührend und auch ein wenig komisch machen.

Technische Details:

Länge: 106 Minuten
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildformat: 16:9 (1.85:1) anamorph
Extras: Audiokommentar von Andreas Dresen, Doku von Peter Kremski über Andreas Dresen, unveröffentlichte Szenen, Beitrag „17 Hippies“, Making Of

Als wir träumten (2015)

(nach dem Roman von Clemens Meyer)

Als wir träumten - Pandora

Als wir träumten – Pandora

Leipzig, Nachwendezeit, etwa Anfang der 90er Jahre, Zeit des Umbruchs. Und mittendrin eine Clique Jugendlicher, die diese Zeit einfach nur genießen will. Gerade eben der umsorgten, geordneten Welt der DDR-Kindheit entwichen und in der Bundesrepublik fast angekommen, ziellos den Hunger nach Leben stillend. Dazu gehört natürlich das Träumen, und einen Traum wollen sie so schnell wie möglich verwirklichen: Einen Techno-Club einrichten, mit allem Drum und Dran. Das passt zum hitzigen Getriebensein in dieser, nicht minder hitzigen Zeit, mit viel fließendem Alkohol.

Natürlich schmeckt den Jungs jetzt „Das Bier der Gewinner“ besonders gut, weniger toll sind die ständigen Prügeleien mit irgendwelchen Neonazi-Gangs. Aber das scheint wohl dazuzugehören. Dafür eröffnen sie ihren illegalen Techno-Club in einer alten Fabrik. Die zuckenden Klänge und das zuckende Licht stehen für das Fiebrige, die Rasanz – und schließlich den Absturz der Protagonisten.

Mit Empathie und Zärtlichkeit beobachtet Andreas Dresen die Achterbahnfahrt der Teens, bei deren Bemühen, irgendwo anzukommen in der neuen Bundesrepublik. Er bringt aber in diesem Film wesentlich mehr Tempo hinein, hat intensiver an technischen Feinheiten gefeilt und die Szenerie sorgsam für die Kamera ausgeleuchtet. Dresen hat so mit Drehbuch-Autor Wolfgang Kohlhaase versucht, den zugrundeliegenden Roman von Clemens Meyer als dichte Parabel auf Freundschaft und Verrat, Treue und Eifersucht, Desillusionierung, um das Erwachsenwerden in bewegten Zeiten schlechthin zu drehen.

Mit Merlin Rose, Joel Basman, Ruby O. Fee, Julius Mitschkoff, Frederic Haselon, Marcel Heuperman

Technische Details:

Länge: 109 Minuten
Bildformat: 16:9 – 2.35:1,
Tonformat: Deutsch, Dolby Digital 5.1
Extras: Audiokommentar, Making Of, entfernte Szenen und Outtakes, 38-seitiges Booklet

Alle FSK: ab 12 Jahren

Anbieter/alle: Pandora

Veröffentlichung: 18. September 2015

Heinz-Jürgen Rippert

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Über heinzjuer13

Film- und Musikfan, Naturfreund
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